STIKO-Beschluss

HPV-Impfungen von Jungen empfohlen

Die Impfung gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) wird ab Sommer auch 9- bis 14-jährigen Jungen empfohlen. Das hat die STIKO auf ihrer Sitzung beschlossen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Basisschutz fürs Leben: Die Impfung könnte pro Jahr 1000 HPV-Krebsfälle bei Männern verhindern.

Basisschutz fürs Leben: Die Impfung könnte pro Jahr 1000 HPV-Krebsfälle bei Männern verhindern.

© Ilike / stock.adobe.com

BERLIN. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) künftig auch allen Jungen.

Ein entsprechender Beschluss sei bei der Sitzung am 5. Juni gefasst worden, berichtet die STIKO auf der Webseite des Robert Koch-Instituts.

Danach sollen künftig alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV geschützt werden. Zu einer Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren geraten. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert.

Die neue Empfehlung gilt ab Veröffentlichung im "Epidemiologischen Bulletin" Ende August (Nr. 34/2018). Die wissenschaftliche Begründung der HPV-Impfung soll dort zwei Wochen später veröffentlicht werden (36/2018).

"Das wurde auch höchste Zeit"

Medizin-Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen aus Heidelberg freut sich über die STIKO-Entscheidung. "Das wurde auch höchste Zeit", betonte der Wegbereiter der HPV-Impfung in einem Interview mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Durch die HPV-Impfung von Jungen ließe sich die Verbreitung des Virus weiter eindämmen, denn 40 bis 60 Prozent der Männer sind befallen. Damit würde auch der Schutz ungeimpfter Frauen vor Gebärmutterhalskrebs verbessert.

"Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen", so zur Hausen zur Bedeutung des Schutzes in dem Interview.

Aber auch die Jungen selbst profitieren vom HPV-Schutz. Die Impfung schützt nämlich auch vor Krebsarten, die auch Männer treffen können. Dazu gehören Mund- Rachen-Krebs und Analkrebs. "Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV", so zur Hausen.

Darüber hinaus bietet die Impfung Schutz vor den weitverbreiteten Genitalwarzen. Diese sind zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber hartnäckig und unangenehm.

HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert

Insgesamt wird die HPV-Impfung bisher in Deutschland besonders schlecht angenommen. Die Durchimpfungsraten bei den 15-jährigen Mädchen liegen bei nur 31 Prozent.

Angesichts der "skandalös niedrigen HPV-Impfrate von Mädchen sind wir meilenweite von einem Gemeinschaftsschutz entfernt", kritisiert zur Hausen.

Um die Infektionsketten zu durchbrechen, müssten sich etwa 85 Prozent aller Jugendlichen impfen lassen.

Große Unterschiede in den Impfquoten gibt es regional: In den alten Bundesländern beträgt sie 29,1 Prozent, in den neuen dagegen 46,2 Prozent. Besonders hoch ist die Quote in Sachsen-Anhalt mit 56,7 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern mit 52,0 Prozent (siehe nachfolgende Grafik).

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Kritikpunkte ausgeräumt

Kritiker der HPV-Impfung haben immer wieder angemerkt, dass in Studien zwar die Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen, aber nicht von Krebserkrankungen belegt worden sei.

Dieser Kritikpunkt wird inzwischen ausgeräumt. So haben kürzlich finnische Forscher die Frauen untersucht, die die Impfung in den Zulassungsstudien erhalten hatten.

"Bei den geimpften Frauen wurde kein einziger Fall von HPV-bedingten Krebsarten festgestellt, bei den nicht geimpften Kontrollen dagegen in der erwarteten Anzahl", so zur Hausen.

Erfolg oder Misserfolg der HPV-Impfung für Jungen hängt nun von einer möglichst schnellen Kostenübernahme der Krankenkassen ab.

Dabei liegt der Ball jetzt beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA): Nach der Veröffentlichung der STIKO-Empfehlung hat das Gremium im Anschluss drei Monate Zeit, um die Aufnahme in die Schutzimpfungsrichtlinie zu prüfen, die die Kostenübernahme von Impfungen durch die GKV regelt. Einzelne Krankenkassen bezahlen allerdings bereits jetzt schon die HPV-Impfung für Jungen. (Mitarbeit: ths)

Dieser Beitrag wurde aktualisiert am 11.06.2018 umd 16:29 Uhr. Der Artikel enthält nun eine längere Fassung als es bei der Vorversion der Fall war.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Neue Chance

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