Ärzte Zeitung, 20.09.2005

Neue Daten zum Nutzen von Misteltherapie

HAMBURG (ner/ple). Eine mindestens sechsmonatige zusätzliche Therapie mit standardisiertem Mistelextrakt kann die Überlebenszeit bei Patienten mit Melanom verlängern. Zumindest geben Daten einer deutsch-schweizerischen Kohortenstudie mit mehr als 680 Melanom-Patienten Hinweise auf einen solchen Nutzen.

Das berichten Professor Matthias Augustin von der Universitätshautklinik Hamburg-Eppendorf und seine Kollegen (Arzneimittel Forschung/Drug Research 55/1, 2005, 38). Nach Durchsicht der Patientenakten aus 35 Kliniken oder Arztpraxen in Deutschland und der Schweiz wurden die Daten von 329 mit Mistelextrakt behandelten Patienten und von 357 Patienten ohne eine solche adjuvante Therapie ausgewertet.

In der Verumgruppe erhielten die Patienten zwei- bis dreimal wöchentlich subkutane Injektionen mit standardisiertem fermentierten Mistelextrakt (Viscum album L., Iscador®), und zwar im Median für 30 Monate. Alle Patienten waren mindestens drei Jahre lang nachbeobachtet worden.

Bei Patienten mit Misteltherapie ergab sich eine statistisch signifikante Verlängerung des tumorbezogenen Überlebens als auch der Gesamtüberlebensrate. So starben tumorbedingt in der Mistelgruppe knapp neun Prozent im Studienzeitraum, in der Kontrollgruppe elf Prozent. Allerdings müßten diese Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden, so die Studiengruppe mit Verweis auf das nicht randomisierte und retrolektive Studiendesign.

Eine zuvor diskutierte Tumorverstärkung konnte auch in dieser Studie nicht bestätigt werden. Die Behandlung sei sicher und werde gut vertragen, meinen die Dermatologen aus Hamburg-Eppendorf. Möglicherweise könne standardisierter Mistelextrakt als Bestandteil der Behandlung bei Patienten mit malignem Melanom den klinischen Verlauf beeinflussen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »