Ärzte Zeitung, 27.03.2006

Tumordicke bestimmt Melanomtherapie

Erfolge nur mit adjuvanter Interferon-Behandlung / Hochdosierte Therapie bei Metastasen in Lymphknoten

BERLIN (gvg). Welche Patienten mit malignem Melanom sollten nach der Exzision adjuvant therapiert werden? Die Antwort auf diese Frage hängt entscheidend von der Dicke des Tumors ab, wie der Dermatologe Professor Matthias Volkenandt auf dem 27. Deutschen Krebskongreß in Berlin gesagt hat.

Spreitendes Melanom mit gut erkennbarer Pigmentierung. Übersteigt die Tumor-dicke 1,5 Millimeter, sollte eine Interferon-Therapie erfolgen. Foto: Schauerte

Bisher habe lediglich die adjuvante Immuntherapie mit Interferon-alpha eine Wirksamkeit erwiesen, so Volkenandt auf einer von dem Unternehmen Novartis unterstützten Fortbildungsveranstaltung. Im Zusammenhang mit der Dauer und der optimalen Dosierung seien aber noch viele Fragen zu klären, was derzeit in mehreren Studien versucht werde.

Definitiv nicht indiziert sei eine adjuvante Chemotherapie. "Hier haben prospektive, randomisierte Studien mit diversen Substanzen in mehreren Kombinationen keine Erfolge gebracht", sagte Volkenandt.

Aktueller Stand der Empfehlungen sei es, bei malignen Melanomen im Stadium II mit einer Tumordicke von weniger als 1,5 Millimetern auf die adjuvante Therapie zu verzichten. Ab einer Dicke von 1,5 Millimetern wird eine Behandlung mit niedrigdosiertem Interferon-alpha empfohlen. Im Stadium III - in dem sich bereits in den Lymphknoten Metastasen befinden - bekamen den Patienten in bisherigen Studien vor allem hochdosiertes Interferon-alpha über einen Zeitraum von sechs bis 18 Monaten.

Eine längere Überlebenszeit sei bisher vor allem bei Patienten mit einer Hochdosis-Strategie gezeigt worden. Mittlere und niedrige Dosierungen verlängerten zwar das rezidivfreie Überleben. Mit diesen Dosierungen ließ sich jedoch das Gesamtüberleben nicht beeinflußen.

Gerade bei Patienten mit einem Melanom im Stadium III sollte bei der Anwendung des Interferon-alpha deswegen trotz verringerter Verträglichkeit die Hochdosisstrategie angestrebt werden, wie Volkenandt betonte. Dabei wird zunächst intravenös behandelt; dann erfolgt eine subkutane Erhaltungstherapie. Die niedrigdosierten Therapien werden ausschließlich mit subkutanen Injektionen gemacht.

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