Ärzte Zeitung, 14.06.2013

Kommentar zur Hautkrebs-Studie

Was nicht nützt, schadet

Von Robert Bublak

"Primum non nocere", lautet ein Leitsatz ärztlichen Handelns. Dem Arzt, der ihn wörtlich nähme, wären weitgehend die Hände gebunden. Denn eine medizinische Maßnahme, die neben Nutzen nicht auch zumindest die Möglichkeit des Schadens nach sich zieht, ist schwer vorstellbar.

Tatsächlich mag es manchmal nützlich sein, nichts zu tun, dann etwa, wenn praktisch ausgeschlossen ist, dass ein Patient die positiven Wirkungen einer Maßnahme überhaupt noch erleben wird.

Doch nichts fällt Ärzten schwerer, als untätig zu bleiben - zumal sie wissen, was lege artis getan werden müsste.

Und so können die Ergebnisse einer Studie nur wenig erstaunen, wonach selbst bei den meisten Patienten mit einer sehr geringen Restlebenserwartung asymptomatische Basalzellkarzinome noch aufwändig operiert werden.

Die Autoren der Studie plädieren dafür, die Gesamtprognose des Patienten und die ihm vermutlich noch verbleibende Lebenszeit stärker in die Therapie-Entscheidungen einzubeziehen.

Das sollte nicht nur für die Behandlung von Basaliomen, sondern in allen Situationen gelten, in denen der mögliche Nutzen fern, das Risiko unerwünschter Folgen aber ganz nah liegt. In solchen Situationen kann es schon schaden, nicht zu nützen.

Lesen Sie dazu auch:
Krebs: Wer bald stirbt, braucht keine aggressive Therapie

[19.06.2013, 17:43:45]
Dr. Wolfgang Knüll 
Der Schaden und der Nutzen
"Primum non nocere" oder "Nil nocere", meint ja auch wohl keineswegs Nichtstun, sondern sinnvolles Handeln einer Medizin, die nicht um jeden Preis glaubt alles tun zu müssen, nur weil sie es vermag und die Aktionismus per se schon für lobenswert hält. Die Gefahr an dieser Grenze zu scheitern, nimmt mit der Weiterentwicklung des der pharmazeutisch-medizinischen Komplexes sicherlich zu.  zum Beitrag »

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