Ärzte Zeitung, 24.07.2013

Melanom

Benigne Merkmale verleiten zu Fehldiagnose

In einer retrospektiven Studie hatten zwei von drei histopathologisch dokumentierten nävusassoziierten Melanomen benigne Anteile, etwa Strukturen mit Pflastersteinmuster. Dadurch bleiben viele Melanome unerkannt.

Von Peter Leiner

Benigne Merkmale verleiten zu Fehldiagnose

Benigner Nävus oder malignes Melanom? Das zu entscheiden ist wegen Mischformen oft gar nicht einfach.

© thinkstock.com

GRAZ. Benigne Bereiche in einem Melanom verleiten zu einer Fehldiagnose, und das um so eher, je größer ihr Anteil an der Läsion ist. Um herauszufinden, wie häufig solche benignen dermatoskopischen Merkmale (BDF, benign dermoscopic features) in Melanomen tatsächlich sind, analysierten österreichische Dermatologen um Dr. Rainer Hofmann-Wellenhof von der Medizinischen Universität Graz retrospektiv histologisch nachgewiesene Melanombefunde.

Von den insgesamt 516 dermatoskopisch dokumentieren Befunden der vergangenen sechs Jahre wählten die Ärzte für ihre Studie 375 aus (Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2013).

Ausgeschlossen wurden vor allem Lentigo-maligna-Melanome und Befunde mit schlechter Bildqualität. Für die Studie wurden mit einem Anteil von fast 80 Prozent (297) de novo entstandene Melanome begutachtet.

Die übrigen Befunde stammten von nävusassoziierten Melanomen, also ein Anteil, der ähnlich hoch wie in anderen Untersuchungen ist.

42,1 Prozent enthielten BDF-Anteile

Die dermatoskopische Auswertung ergab, dass 42,1 Prozent (157/373) der Präparate BDF-Anteile enthielten. Bei 46 Läsionen (12,3 Prozent) deckten die BDF mehr als 50 Prozent der Läsion ab.

BDF wurden bei 35,7 Prozent (106/297) der de novo entstandenen histopathologisch nachgewiesenen Melanome gefunden, aber bei mehr als 67 Prozent (51/76) der nävusassoziierten Melanome.

Und unter diesen betrug der Anteil der Melanome, bei denen BDF mehr als 50 Prozent der Läsion abdeckten, 22,4 Prozent (17/76). Sind BDF-Merkmale vorhanden, dann ist zudem die Tumordicke nach Breslow deutlich geringer (0,53 versus 1,15 mm), wie die Ärzte festgestellt haben.

Pigmentiertes Netzwerk häufig

Bei den häufigsten benignen Merkmalen in allen untersuchten Melanomen handelte es sich um typisches pigmentiertes Netzwerk (26,3 Prozent), ein homogenes Muster mit diffuser brauner Pigmentierung (18,5 Prozent) sowie Strukturen mit Pflastersteinmuster oder globuläre Strukturen (13,1 Prozent).

Das sind drei von sieben BDF-Merkmalen, die Dr. Giuseppe Argenziano aus der Grazer Arbeitsgruppe bereits vor zehn Jahren für die BDF-Definition verwendet hatte.

Eine korrekte klinisch-dermatoskopische Melanomdiagnose wurde nach präoperativer Begutachtung bei 272 aller Melanompräparate (73,2 Prozent) gestellt und bei 87 Prozent (188/216) der Präparate ohne BDF-Merkmale.

Auffallend war, dass die Entdeckungsrate drastisch sank, wenn BDF-Anteile vorhanden waren: auf nur noch 54,1 Prozent (85/157). Deckten die BDF-Anteile mehr als 50 Prozent der jeweiligen Läsionen ab, wurden knapp 61 Prozent (28/46) der Befunde fälschlich als "kein Melanom" diagnostiziert.

Für die Dermatologen ist klar, dass BDF-Merkmale Zeichen eines Melanoms überdecken. In prospektiven Studien sei zu klären, ob BDF-Merkmale ein guter Indikator für melanomassoziierte benigne Nävusanteile sind: dermatoskopisch, histopathologisch und molekularbiologisch.

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