Ärzte Zeitung online, 27.09.2013

Besorgniserregender Trend

Immer jünger ins Solarium

Das Durchschnittsalter beim erstmaligen Besuch eines Sonnenstudios liegt mittlerweile bei 19 Jahren, so die deutsche SUN-Studie. Vor allem viele junge Frauen sind sich der Gefahren des Bräunens mit einer Kunstsonne nicht bewusst.

Von Elke Oberhofer

Immer jünger ins Solarium

Viele junge Frauen legen sich regelmäßig auf die Sonnenbank. Das Krebsrisiko ist vielen nicht bewusst.

© wibaimages / fotolia.com

HEIDELBERG. Für die SUN-Studie waren zwischen Juli 2011 und Januar 2012 insgesamt 4851 Menschen aus Deutschland (Alter: 14 bis 45) zu den Bräunungsgewohnheiten mit Kunstsonne befragt worden.

Das Akronym der Studie steht dabei für "Sunbed Use: Needs for Action". Knapp 40 Prozent der Befragten hatten schon mindestens einmal auf der Sonnenbank gebrutzelt, entweder zu Hause, im Sonnenstudio oder im Fitnesscenter, wie die Forscher um Dr. Christina Bock von der Universität Heidelberg berichten (BJD 2013; 169: 441).

Die Sonnenbank-Nutzer waren im Mittel knapp 33 Jahre alt und überwiegend weiblich (61,4 Prozent).

Im Schnitt 180 Minuten jährlich auf der Sonnenbank

Für die Forscher besonders beunruhigend: Offenbar ist es gerade unter jungen Frauen schick, sich die Bräune aus dem Studio zu holen. Das Durchschnittsalter bei Erstnutzung einer Sonnenbank ist dabei in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken: von 25 Jahren in den Geburtsjahrgängen 1966 bis 1975 auf 19 Jahre in den Jahrgängen 1986 bis 1993 (25. Perzentile).

Im Durchschnitt hatten die Kunstsonnenanbeter 180 Minuten pro Jahr geschmort, die Frauen um jährlich 80 Minuten länger als die Männer.

Die überwiegende Mehrheit (85,6 Prozent) ging ihrer Gewohnheit seit Jahren unverändert nach, ungeachtet des damit verbundenen Hautkrebsrisikos. Dass das Bräunen auch unter Kunstsonne das Risiko sowohl für das Melanom als auch für ein Basalzellkarzinom erhöht, ist nach mehreren Kohortenstudien und Metaanalysen mittlerweile belegt. Europaweit sterben 800 Menschen jährlich an den Folgen von Solarienbesuchen.

Zwei Drittel haben der Kunstbräune abgeschworen

Unter den Nutzern in der SUN-Studie gaben immerhin 64 Prozent an, mittlerweile der Sonnenbank abgeschworen zu haben; dabei war die Quote der Abbrecher unter den Teilnehmern mit mittlerem oder höherem Bildungsgrad im Vergleich höher.

Was auffiel, war auch die relativ niedrige Abbruchrate bei Immigranten und bei Menschen mit dunklerem Hauttyp (III-IV). Wer sich dagegen des Hautkrebsrisikos bewusst war, ging seltener ins Studio und hielt die Bräunungseinheiten im Schnitt kürzer.

Insgesamt die Hälfte aller Sonnenbanknutzer hatte jedoch schon vor dem 20. Lebensjahr zum ersten Mal gebrutzelt. Hautärzte warnen vor einem um 90 Prozent erhöhten Hautkrebsrisiko bei Beginn der Kunstsonnenexposition vor dem 35. Lebensjahr.

Betreiber müssen Kunden aufklären

Die Bundesregierung hat bereits 2009 beschlossen, die Nutzung von Sonnenbänken für Minderjährige zu verbieten. Anfang 2012 wurden in Deutschland die Vorschriften für Sonnenstudios novelliert. Seitdem müssen Betreiber ihre Kunden deutlich vor den Gefahren durch Sonnenbänke warnen.

Dennoch fordern die SUN-Forscher dringend weitere Maßnahmen, um den besorgniserregenden Trend zum Kunstsonnenbräunen vor allem bei jungen Frauen zu stoppen. Eine verbesserte Beratung in den Studios selbst gehöre unbedingt dazu.

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