Ärzte Zeitung online, 05.03.2014

Melanom

Mehr Klarheit durch Immunzytologie

Eine neue Methode zur Quantifizierung von Melanomzellen in Lymphknoten erlaubt eine frühe Verlaufsprognose und bessere Therapieplanung. Einer aktuellen Studie zufolge geht ein erhöhter Befall des Wächterlymphknotens mit einem erhöhten Sterberisiko einher.

TÜBINGEN. Der Befall des Wächterlymphknotens - des Lymphknotens, der dem Tumor am nächsten liegt - mit Melanomzellen ist für die Prognose des Patienten und für die weitere Therapieplanung entscheidend.

Professor Anja Ulmer, Universitätshautklinik Tübingen, und Professor Christoph Klein, Lehrstuhl für experimentelle Medizin und Therapieverfahren, Universitätsklinikum Regensburg, konnten mit einer neuen Untersuchungsmethode zeigen, dass die Überlebensprognose in hohem Maße von der Anzahl der Krebszellen im Wächterlymphknoten im Verhältnis zu den Lymphknotenzellen abhängt.

Mit der jetzt standardisierten Methode kann auch eine sehr frühe Tumorzellaussaat im Wächterlymphknoten sicher erkannt werden.

Dabei zeigte sich selbst bei kleinsten Mengen dort detektierter Krebszellen ein Zusammenhang mit einer verringerten Überlebensrate der Patienten (PLOS 2014, online am 18. Februar).

Melanome verursachen die meisten Todesfälle

Nur 5 Prozent der Hautkrebs-Erkrankungen sind Melanome, aber die Melanome verursachen die meisten Todesfälle, teilt die Universitätsklinik Tübingen mit. Die erste Metastasierung des Melanoms erfolgt fast immer in den sogenannten Wächterlymphknoten.

Er wird operativ entfernt, wenn ein erhöhtes Risiko einer Metastasierung vorliegt. Anschließend wird der Wächterlymphknoten hinsichtlich einer möglichen Melanomzellausbreitung untersucht.

Dies geschieht primär durch die feingewebliche Untersuchung von gefärbten Schnitten unter dem Mikroskop. Die korrekte Unterscheidung zwischen "melanompositivem" und "melanomnegativem" Lymphknoten ist dabei keine einfache Aufgabe, vor allem dann nicht, wenn es sich um kleine Metastasen handelt.

Immunzytologie an über 1000 Lymphknoten erprobt

Die Arbeitsgruppe von Anja Ulmer hat eine neue Technik entwickelt, die es ermöglicht, auch kleinste Ansammlungen von Tumorzellen im Lymphknoten mit relativ geringem Arbeitsaufwand zu finden. Der Lymphknoten wird hierzu - wie beim Apfelmuskochen - durch ein sehr feines Sieb gedrückt.

Die Melanomzellen und die gesunden Zellen des Lymphknotens werden damit aus dem Zellverband gelöst. Melanomzellen werden mithilfe einer Färbung markiert und können mit einer Genauigkeit von einer Melanomzelle in einer Million gesunder Zellen unter dem Mikroskop erkannt werden. Im Rahmen der aktuellen Studie wurde diese sogenannte immunzytologische Methode an über 1000 Lymphknoten erprobt.

Bei der aktuell publizierten Studie wurden 1834 Wächterlymphknoten von 1027 Patienten analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass ein erhöhter Befall des Wächterlymphknotens signifikant mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht und der Befall ein besserer Indikator für den Krankheitsverlauf darstellt als die feingewebliche Gewebeuntersuchung.

Mit der jetzt standardisierten Methode kann auch eine sehr frühe Tumorzellaussaat im Wächterlymphknoten sicher erkannt werden.

Wenn bei einem Patienten schwarzer Hautkrebs diagnostiziert wird, ist es wichtig, den Tumor einschätzen zu können, um die Behandlung zu planen. Bei Patienten ohne Tumorzellaussaat und dünnem Melanom kann auf weitere belastende Therapien und aufwendige Nachfolgeuntersuchungen verzichtet werden. Zum anderen werden Patienten mit einem sehr frühen Befall der Lymphknoten zuverlässig erkannt.

Diese Patienten könnten von weiteren Therapien wie der operativen Entfernung aller Lymphknoten des Lymphabflussgebietes und von neuen Chemoimmuntherapien profitieren. (eb)

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