Ärzte Zeitung, 17.03.2014

Melanom

Neuer Test für frühe Prognose

Tübinger Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich disseminierte Melanomzellen in Lymphknotengewebe mit extremer Genauigkeit nachweisen lassen. Bereits kleinste Mengen dieser gestreuten Krebszellen sind offenbar ein Hinweis auf eine verringerte Überlebenschance.

Von Elke Oberhofer

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Wird durch Hautkrebsscreening tatsächlich ein malignes Melanom diagnostiziert, muss geklärt werden, ob Tumorzellen bereits in Wächterlymphknoten gestreut haben. Mit einer neuen Methode ist das sehr genau möglich.

© Getty Images / iStock

TÜBINGEN. Bei Patienten mit malignem Melanom ist der Nachweis von Tumorzellen in entsprechenden Wächterlymphknoten ein Hinweis auf eine relativ schlechte Prognose; unter anderem hiernach richtet sich auch das Staging.

Allerdings ist die herkömmliche Detektionsmethode, die Lymphknotenbiopsie mit anschließender Histopathologie, wenig zuverlässig: Um eine Detektionsrate von nur 30 Prozent zu erzielen, müsste man pro Lymphknoten bis zu 36 Gewebsschnitte unterm Mikroskop screenen, ein enormer zeitlicher Aufwand.

Professor Anja Ulmer von der Universitätshautklinik Tübingen und ihr Team haben nun ein Verfahren vorgestellt, das die diagnostische Sensitivität wesentlich verbessert: die quantitative Immunzytologie (Plos Medicine 2014; 11(2): e1001604).

Dabei wird der biopsierte Lymphknoten durch ein feines Sieb gepresst, ähnlich wie beim Apfelmuskochen.

Dieser Quetschvorgang bewirkt, dass sowohl gesunde Zellen als auch Melanomzellen aus dem Zellverband gelöst werden; es entsteht eine Art homogener Brei. Die darin enthaltenen Melanomzellen können nun per Immunostaining angefärbt und unter dem Mikroskop erkannt werden.

Reaktion auf Tumorantigen gp100

Der Test reagiert auf das in Melanomzellen enthaltene Tumorantigen gp100. Wie die Forscher berichten, ist die Methode so genau, dass sich damit eine einzelne Melanomzelle unter einer Million gesunder Zellen ausmachen lässt.

Ulmer und Kollegen haben das Verfahren an 1027 Melanompatienten mit negativem Lymphknotenbefund im Ultraschall erprobt. Diesen hatten sie insgesamt 1834 Wächterlymphknoten entnommen.

Bei 51 Prozent der Patienten fand sich ein positives Ergebnis in der Immunzytologie. Insgesamt starben 13,4 Prozent innerhalb von fünf Jahren an ihrem Hautkrebs.

Wie sich herausstellte, war die Dichte der disseminierten Krebszellen (DCC) im Lymphknoten direkt mit dem Sterberisiko verknüpft. Dieses verdoppelte sich nahezu mit jeder DCC-Zunahme um den Faktor 10 (Hazard Ratio, HR = 1,81). Schon drei oder weniger gp100-positive Zellen ließen die Mortalität im Vergleich zu Patienten ohne Krebszellnachweis im Lymphknoten signifikant steigen (HR 1,63).

Das neue Vorhersagemodell ermöglicht es, Melanompatienten mit hohem Risiko einer Tumorprogression ausfindig zu machen, die bei herkömmlichem Staging durch die Lappen gegangen wären. Auf der anderen Seite, so Ulmer und Kollegen, können dadurch Patienten identifiziert werden, denen man belastende Therapien ersparen kann.

Bevor die neue Methode Einzug in die Praxis halten kann, muss sie durch weitere Studien validiert werden. Die Autoren zumindest sehen in dem Verfahren, das deutlich weniger Aufwand erfordert als der gegenwärtige Standard, großes Potenzial, nicht nur beim Melanom, sondern möglicherweise auch bei anderen soliden Tumorentitäten.

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