Ärzte Zeitung, 16.11.2010

Hodentumor-Vorstufen noch immer eine Herausforderung

Die optimale Therapie bei testikulären intraepithelialen Neoplasien ist noch immer nicht gefunden.

Hodentumor-Vorstufen noch immer eine Herausforderung

Hodentumor: Noch keine optimale Therapie gefunden.

© arsdigital.de / fotolia.com

DÜSSELDORF (MUC/eb). Die testikuläre intraepitheliale Neoplasie (TIN) ist die Vorstufe eines Hodentumors. Unterbleibt die Therapie, kommt es bei 70 Prozent der Patienten innerhalb von sieben Jahren zu einem Seminom. Die Möglichkeiten bei TIN bestehen in Abwarten und Beobachten, Hoden-Entfernung, Cisplatin-basierter Chemo sowie Radiatio, erläuterte Professor Klaus-Peter Dieckmann, Urologe vom Albertinen-Krankenhaus Hamburg, beim DGU-Kongress in Düsseldorf.

Er stellte eine retrospektive, multizentrische Studie mit 186 Patienten im Durchschnittsalter von 30 Jahren vor, bei denen ein einseitiger Hodentumor sowie eine histologisch gesicherte TIN im zweiten Hoden vorlagen. 76 Patienten hatten eine Bestrahlung (18 bis 20 Gy) erhalten, 75 eine Chemotherapie wegen Metastasen, 25 eine Kombination beider Verfahren, und 10 Männer wurden nur beobachtet. Im Zeitraum von im Mittel 30 Monaten dokumentierten die Ärzte Therapieerfolg sowie Hypogonadismus.

Nur bei 21 bestrahlten Patienten lag eine Kontrollbiopsie vor, die bei allen negativ war. 49 Patienten ohne Kontrollbiopsie waren ebenfalls tumorfrei, doch bei zweien entwickelte sich trotz Radiatio ein Seminom.

Weniger effektiv war die Chemotherapie. Sie hatte je nach Regime bei etwa 30 Prozent der Patienten versagt: Es waren entweder eine TIN oder ein Hodentumor nachweisbar. "Besonders Carboplatin bringt fast nichts für die Eradikation der TIN", resümierte Dieckmann. Chemo plus Radiatio hatte bei einem Patienten versagt, in der beobachteten Gruppe trat bei 60 Prozent Krebs auf.

Ein Hypogonadismus (definiert als verringerter Testosteronspiegel oder Testosteronsubstitution) trat bei 28 Prozent der bestrahlten Patienten auf, bei 16 Prozent mit Chemotherapie und bei 18 Prozent mit der Kombination. Auf der Suche nach der optimalen Therapie war somit "leider die Realität anders als der Wunsch", so Dieckmann: "Entweder haben wir eine relativ hohe Versagerquote unter der Chemo oder sehr viele endokrinologische Schäden nach einer relativ erfolgreichen Therapie."

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