Ärzte Zeitung, 02.12.2004

"Auf das Glück, das ich hatte, kann man sich nicht verlassen"

Trainer Jörg Berger, ehemaliger Darmkrebs-Patient, warb bei einem Besuch des Arzneimittel-Herstellers Merck Pharma für Früherkennung

In vielerlei Hinsicht ein Siegertyp: der neue Rostocker Trainer Jörg Berger. Fotos: dpa

Von Nicola Siegmund-Schultze

Jörg Berger gilt als umsichtig, ausdauernd und großer Motivator. Als er vor zwei Jahren an Darmkrebs erkrankte, halfen ihm unter anderem diese Eigenschaften, mit seiner Erkrankung fertig zu werden.

Es ist vielleicht der blutgerinnungshemmende Effekt der Acetylsalicylsäure (ASS) gewesen, dem Jörg Berger die Früherkennung seiner Darmkrebserkrankung zu verdanken hat. Und damit vielleicht sein Leben.

Vor zwei Jahren stellten die Ärzte die Diagnose Darmkrebs bei dem langjährigen Fußball-Trainer, der vor allem als erfolgreicher Feuerwehrmann bei abstiegsgefährdeten Vereinen zu Ruhm gelangt ist. Berger hatte Blut im Stuhl, nachdem er eine hohe Dosis des Schmerzmittels eingenommen hatte. Der Hausarzt veranlaßte sofort eine Untersuchung.

Der Sportler hatte Glück, wieder einmal, wie er sagt: Darmkrebs, aber in einem frühen Stadium. Berger wurde kurativ operiert.

"Wenn Symptome auftreten wie Blut im Stuhl, hat Darmkrebs meist schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht und ist durch einen chirurgischen Eingriff allein nicht mehr heilbar", erläuterte Dr. Jens Oliver Funk von der Merck Pharma GmbH bei einem Laborbesuch des neuen Trainers von Fußball-Bundesligist Hansa Rostock in Darmstadt. Berger informierte sich über neue Strategien zur Therapie von Darmkrebs. Und seit er selbst betroffen war, nutzt er seine Popularität, um das Bewußtsein für die Bedeutung von Krebsvorsorge-Untersuchungen zu stärken.

"Ich bin selbst nicht zu Vorsorge-Untersuchungen gegangen, denn ich war immer fit und gesund, konnte Streß gut verarbeiten", resümiert Berger. "Aber auf das Glück, das ich hatte, kann man sich nicht verlassen", meint der 60jährige. "Meine eigene Lebensgeschichte bestätigt: Es kann jeden treffen, ohne daß man etwas falsch gemacht hat."

In Deutschland erkranken jährlich etwa 57 000 Menschen neu an Darmkrebs, in Europa werden jährlich 360 000 Neuerkrankungen festgestellt. Damit ist Darmkrebs das dritthäufigste Malignom bei Männern (nach Lungen- und Prostatakrebs), bei Frauen rangiert die Erkrankung auf Platz zwei der malignen Tumore nach Brustkrebs.

Nicht nur die Früherkennung, auch die Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs gelte es zu verbessern, so Gastgeber Funk. Merck Pharma entwickele Medikamente, die zielgerichteter als Zytostatika das Krebswachstum hemmen. So ist in diesem Jahr der monoklonale Antikörper Cetuximab für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs zugelassen worden, die auf eine Irinotecan-haltige Chemotherapie nicht mehr angesprochen haben.

Cetuximab bindet sich an den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR), der eine wichtige Bedeutung bei der Regulation der Zellteilung und damit assoziierten Reparaturvorgängen hat, aber auch für die Apoptose, die Angiogenese und die Metastasierungsfähigkeit von Tumoren. In der klinischen Prüfung befindet sich ein weiterer Antikörper gegen EGFR, Matuzumab. Im Gegensatz zu Cetuximab, einem chimären Antikörper mit Proteinanteilen aus Maus und Mensch, ist Matuzumab fast vollständig humanen Ursprungs und könnte damit noch besser verträglich sein als Cetuximab, hoffen die Forscher.

Jörg Berger, der mit seiner Familie in Duisburg wohnt, fühlt sich heute so fit wie vor der Krankheit. Vor seiner Beschäftigung bei Hansa Rostock trainierte er Alemannia Aachen und führte den Verein, wie zuvor Eintracht Frankfurt, den 1. FC Köln und Schalke 04, aus dem Tabellenkeller.

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