Ärzte Zeitung, 26.04.2005

"Häufige Endoskopien bei erblichem Darmkrebs"

Untersuchung ab 25. Lebensjahr empfohlen / Betroffene Frauen haben erhöhtes Risiko für gynäkologische Tumoren

MÜNCHEN (sto). Etwa zehn Prozent der 57 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs erkranken, sind erblich vorbelastet. Das hereditäre nichtpolypöse Kolonkarzinom (HNPCC) ist dabei besonders häufig.

Koloskopie in einer gastroenterologischen Praxis. Bei genetisch bedingtem Darmkrebs werden solche Endoskopien auch nahen Verwandten empfohlen. Foto: Klaro

Charakteristisch für HNPCC ist auch das gehäufte Auftreten von gynäkologischen Tumoren wie Endometriumkarzinomen sowie von Tumoren der ableitenden Harnwege, des Dünndarms und anderer Organe.

Daran hat Professor Gabriela Möslein vom Klinikum für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Düsseldorf beim Chirurgen-Kongreß in München erinnert. Bei HNPCC-Patienten sollte deshalb ein Gentest empfohlen werden, um vor allem Angehörige rechtzeitig identifizieren und beraten zu können.

Eine prophylaktische Operation bei HNPCC-Patienten ohne Manifestation sei inzwischen "vom Tisch", sagte Möslein. Betroffene sollten jedoch ab dem 25. Lebensjahr engmaschig per Koloskopie kontrolliert werden. Und erstgradig verwandte Frauen wie Mütter oder Schwestern sollten regelmäßig gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

Die Therapie bei HNPCC-Patienten mit kolorektalen Karzinomen ist nach Angaben von Mösleins derzeit umstritten. In Deutschland werde die chirurgische Entfernung des betroffenen Dick- oder Enddarmabschnitts, gefolgt von jährlichen Kontrollkoloskopien und Entfernung eventuell auftretender Polypen in der Nachsorge bevorzugt. Dagegen werde in den USA zunehmend häufiger die vollständige Entfernung des Dickdarms oder von Dick- und Mastdarm praktiziert.

Eine multizentrische Studie, die von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, soll nun bei der Frage, welches Vorgehen angemessen ist, weiterhelfen, berichtete Möslein. An der Interventionsstudie werden mehr als 40 chirurgische Abteilungen aus ganz Deutschland teilnehmen.

Dabei soll auch geklärt werden, welches chirurgische Vorgehen bei HNPCC-Patienten besser mit einer guten postoperativen Lebensqualität in Einklang zu bringen ist. Immerhin wisse man aus ähnlichen Studien bei Frauen mit einem sehr hohen Risiko für Brustkrebs, daß die prophylaktische Entfernung beider Mammae zu einer Beruhigung und zu positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität geführt habe, berichtete Möslein.

Weitere Informationen zur Studie gibt‘s unter: www.hnpcc-studie.de

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