Ärzte Zeitung, 12.10.2005

"Berlin gegen den Darmkrebs" - Vorsorgeaktion kurz vor dem Start

Fortbildung für Hausärzte ist Teil des Programms / Patienten soll Angst genommen werden

BERLIN (ami). Rund 29 000 Menschen in Deutschland sterben nach Angaben des Robert-Koch-Institutes pro Jahr an Darmkrebs. Nur zwei bis drei Prozent der über 50jährigen nehmen die Vorsorgekoloskopie wahr. Doch bei höherer Beteiligung könnten bis zu 70 Prozent der kolorektalen Karzinome vermieden werden. Darauf machen Berliner Gastroenterologen zum Start der Kampagne "Berlin gegen Darmkrebs" aufmerksam.

Dieses Plakat kann in Praxen aufgehängt werden und soll Patienten auf das Vorsorgeangebot aufmerksam machen.

"Beim Darmkrebs geht es nicht nur um Früherkennung, sondern letztlich um Verhinderung, und damit um echte Prävention", sagte der Sprecher der Berliner Gastroenterologen Dr. Rolf Drossel bei der Vorstellung der Kampagne. Die Vorsorgeinitiative Berliner Fachärzte wendet sich nicht nur an Patienten, sondern will vor allem Hausärzte als Verbündete gewinnen.

"Wir Hausärzte sind besonders gefordert", sagte die Chefin der KV Berlin Dr. Angelika Prehn. "Wir haben die meisten Kontakte zu den Patienten. Wenn wir mit ihnen reden, dann werden sie auch hellhörig", so Prehn. Die Hausärztin hat die Erfahrung gemacht, "daß man manchmal auch ein bißchen drastisch sein muß", um die Patienten zur Vorsorgekoloskopie zu bewegen.

    Vorsorgekoloskopien werden kaum in Anspruch genommen.
   

Drossel, der als Teil der Kampagne eine Fortbildung für Hausärzte zum Patientengespräch über Darmkrebs entwickelt hat, empfiehlt vor allem, nicht gleich ein Gespräch mit dem Hinweis auf eine Koloskopie zu beginnen. Besser sei es, eine Familienanamnese zu erheben und Erkrankungen in der Familie als Ausgangspunkt für das Gespräch zu nehmen. "Der Hausarzt sollte das Risiko verdeutlichen und darauf hinweisen, daß man Darmkrebs verhindern kann", sagt der Gastroenterologe.

Wenn sich ein Patient hartnäckig gegen die Koloskopie sperrt, sollte der Hausarzt ihm einen Stuhltest nahe legen. Die Angst vieler Patienten vor einer Darmspiegelung ist nach Drossels Angaben unbegründet, weil hohe Qualitätsanforderungen für die Ärzte gelten.

Ärzte, die von ihrer KV die Abrechnungsgenehmigung zur Vorsorgekoloskopie erhalten, müssen jährlich 200 Darmspiegelungen und 50 Polyp-Entfernungen nachweisen. Zusätzlich wird die Hygiene der Geräte überprüft. In Berlin werden diese Prüfungen, anders als in anderen Bundesländern, zwei Mal pro Jahr unangemeldet vorgenommen.

Geprüft werden Instrumentier- und Luft-Wasser-Kanal, das Wassersystem und die Gerätespitze auf Fäkal- und Feuchtraumkeime. Die Ergebnisse sind hervorragend. "In diesem Jahr sind alle geprüften Ärzte ohne Beanstandungen durchgekommen", sagte Prehn. Wiederholte Beanstandungen sind nach Angaben der Gastroenterologen noch gar nicht vorgekommen.

Die Kampagne "Berlin gegen Darmkrebs" startet Mitte Oktober mit Unterstützung der Firma Eisai. Ärzte können ein Praxishandbuch, Flyer für Patienten und Wartezimmerplakate anfordern.

Ab Mitte Oktober im Internet: www.berlin-gegen-darmkrebs.de

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