Forschung und Praxis, 21.11.2005

Auf der Suche nach einer Impfung gegen Darmkrebs

Krebsfrüherkennung ist gut - aber bereits im Vorfeld zu verhindern, daß ein Kolonkarzinom entsteht, wäre viel besser. Auf diesem Pfad bewegen sich Wissenschaftler um den Heidelberger Molekularpathologen Professor Magnus von Knebel Doeberitz. Das Ziel ist die Entwicklung einer Impfung gegen Darmkrebs.

Die Forscher haben dabei eine bestimmte Subgruppe der Kolonkarzinome im Auge, wie von Knebel Doeberitz in Berlin berichtete. Es geht um jene etwa 15 Prozent der Dickdarmkarzinome, die durch einen Defekt im DNA-Reparatur-Apparat verursacht werden. Das trifft vor allem auf das erbliche, nicht-polypöse kolorektale Karzinom-Syndrom (HNPCC) zu. Aber auch ein Teil der sporadisch auftretenden Kolonkarzinome folgt dieser Pathogenese.

Der Reparaturdefekt beim HNPCC führt zu einer Instabilität von sogenannten Mikrosatelliten. Das sind sich wiederholende DNA-Sequenzen, die sowohl zwischen als auch innerhalb codierender Abschnitte des Genoms liegen können. Im letzteren Fall werden die entsprechenden Gene inaktiviert, was einerseits die Krebsentstehung begünstigt.

Andererseits führt diese Konstellation zu neuen Eiweißstoffen, da die Eiweißsynthese durch die Mikrosatelliten im Raster verschoben wird. Mit anderen Worten: Es entstehen tumorspezifische Eiweißstoffe, die es zuvor im gesunden Gewebe nicht gab.

"Wir haben jetzt einen Satz von Antigenen beschrieben, die interessante Kandidaten für potentielle Impfstoffe sein könnten", so von Knebel Doeberitz. Mit ihnen könnte eine Immunreaktion gegen entstehendes Tumorgewebe ausgelöst werden, zum Beispiel eine zytotoxische T-Zell-Reaktion.

HNPCC - 80 Prozent der Genträger entwickeln Dickdarmkarzinome

Hoffnung, daß ihr Ansatz funktionieren könnte, macht den Wissenschaftlern die Beobachtung, daß nur etwa 80 Prozent der Genträger beim erblichen Krebssyndrom HNPCC tatsächlich Dickdarmkarzinome entwickeln. Bei den anderen scheint die körpereigene Abwehr mit den Krebszellen klarzukommen.

Möglicherweise sind hier genau jene Immunreaktionen im Spiel, die auch durch den angestrebten Impfstoff stimuliert werden sollen. Erste Hinweise dafür gibt es: So sind die Immunreaktionen gegen die Kandidatenantigene bei gesunden HNPCC-Trägern ausgeprägter als bei jenen, die ein Kolonkarzinom entwickeln. (gvg)

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