Forschung und Praxis, 21.11.2005

Ursodeoxycholsäure: Auch Schutz vor Darmkrebs?

Auf der Suche nach Chemopräventionsstrategien beim Kolonkarzinom hat sich die Ursodeoxycholsäure (UDC) als vielversprechend herausgestellt. UDC wird bereits bei Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC) erfolgreich zur Tumorprävention eingesetzt.

Tierversuche und Versuche mit Zellkulturen von Kolonkarzinom-Patienten deuten jetzt darauf hin, daß UDC eventuell auch die Entwicklung von Kolonkarzinomen bremsen könne. Dies berichtete in Berlin Dr. Marc Bissonnette von der Universität Chicago.

UDC interferiert mit der Krebsentstehung und -entwicklung

Der Gastroenterologe erläuterte, wie UDC an verschiedenen Stellen der Adenom-Karzinom-Sequenz mit der Krebsentstehung und -entwicklung interferiert. Die Adenom-Karzinom-Sequenz beschreibt den Übergang gutartiger Polypen des Dickdarms in maligne epitheliale Tumore.

So würden durch UDC über einen im Detail noch unklaren Mechanismus Mutationen im K-Ras-Gen gehemmt. K-Ras-Mutationen gelten als eine der frühen genetischen Veränderungen beim Übergang vom gutartigen Adenom zum bösartigen Karzinom.

Auch die Expression der Cyclooxygenase 2 wird durch UDC reduziert, und zwar sowohl im Tiermodell als auch in menschlichen Zellkulturen. An dieser Stelle trifft sich diese chemopräventive Strategie mit der der COX- 2-Hemmung. Insgesamt ergaben die vorliegenden Labordaten, daß UDC (Ursofalk®) sowohl die Tumorentstehung hemmt als auch die Proliferationsphase eines kolorektalen Karzinoms bremsen kann, so Bissonnette.

Mittlerweile liegen auch Erfahrungen aus einer randomisierten Doppelblindstudie vor, an der 1285 Personen teilnahmen. Die Teilnehmer hatten in den sechs Monaten vor Studienbeginn im Rahmen eines Koloskopie-Screenings eine Polypektomie bekommen. Sie erhielten entweder drei Jahre lang jeden Tag 8 bis 10 mg / kg KG UDC oder eine Placebo-Therapie.

Nach drei Jahren gab es in der UDC-Gruppe 12 Prozent weniger Adenome als in der Placebo-Gruppe, der Unterschied war aber nicht statistisch signifikant. Anders war die Situation aber bei den problematischen Adenomen mit hochgradigen dysplastischen Veränderungen. Hiervon hatten die mit UDC Behandelten nach drei Jahren signifikante 39 Prozent weniger (Journal of the National Cancer Institute 97, 2005, 846). (gvg)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »