Forschung und Praxis, 21.11.2005

Auch nach vier Jahren erhöht Oxaliplatin noch Chancen für Darmkrebs-Patienten

Auch nach über vier Jahren haben Kolonkarzinom-Patienten, die eine adjuvante Therapie mit einem Oxaliplatin-haltigen Schema bekommen haben, bessere Überlebenschancen und Vorteile beim krankheitsfreien Überleben. Das zeigt die neueste Auswertung der MOSAIC-Studie nach einem mittleren Follow-up von 56,2 Monaten.

Die entsprechenden Daten wurden in Berlin vom Studienleiter Dr. Thierry André aus Paris vorgestellt. Die MOSAIC-Studie (Multicenter International Study of Oxaliplatin / 5-FU /LV in the Adjuvant treatment of Colon cancer) gilt in der Onkologie als Meilenstein für die adjuvante Therapie von Patienten mit operiertem Kolonkarzinom im Stadium II oder III. Die Drei-Jahres-Daten wurden im vergangenen Jahr publiziert (NEJM 350, 2004, 2343).

In einem randomisierten, kontrollierten Doppelblinddesign erhielten 2246 Patienten postoperativ entweder zwölf Zyklen Chemotherapie mit 5-FU und Leukovorin oder zusätzlich Oxaliplatin (FOLFOX4). "Nach viereinhalb Jahren sind die Vorteile im FOLFOX4-Arm noch etwas stärker ausgeprägt als nach der Erstauswertung nach drei Jahren", so Andrés Fazit.

Das Gesamtüberleben lag in der FOLFOX4-Gruppe bei 82,6 Prozent, im Vergleich zu 78,1 Prozent im 5-FU / LV-Arm. In relativen Zahlen ausgedrückt liegt die Sterbewahrscheinlichkeit bei der Oxaliplatin-Behandlung damit nach 56 Monaten um neun Prozent niedriger. Das Rezidivrisiko wurde, auf die Gesamtpopulation berechnet, um 23 Prozent gesenkt.

Besonders ausgeprägt ist der Nutzen bei Patienten im Stadium III, dem 60 Prozent der Studienteilnehmer angehörten. Hier errechnet sich eine relative Risikoreduktion für Rezidive von 25 Prozent. In absoluten Zahlen sind das 8,6 Prozent weniger Rezidive. Ebenfalls überdurchschnittlich profitierten Patienten im Stadium II, wenn sie ungünstige Prognosefaktoren wie einen T4-Tumor oder eine schlechte Differenzierung in der Histologie aufwiesen.

Auch die Verträglichkeit der Behandlung ist weiterhin relativ gut, wie André betonte. Störende Parästhesien, eines der Probleme Oxaliplatin-haltiger Schemata, lagen nach vier Jahren bei 3,4 Prozent der Patienten vor. Nur bei jedem fünften Betroffenen, also bei 0,7 Prozent der Patienten, komme es dadurch zu funktionellen Einschränkungen, so André. (gvg)

Es gibt vier Darmkrebs-Stadien

Für die Einteilung bei Darmkrebs eignet sich das TNM-System (Tumorgröße, Nodus, Metastasen), das vier Stadien unterscheidet:

Darmkrebszelle im Mikroskop. Foto: A. Jordan

Stadium I
(15 Prozent der Patienten): Tumor, der sich auf seinen Entstehungsort beschränkt. Befall der Darmschleimhaut (T1) und der darüberliegenden Muskelschichten (T2).

Stadium II
(20 bis 30 Prozent der Patienten): Größerer Tumor, der in alle Schichten der Darmwand vorgedrungen ist und die äußere Schicht schon durchbrochen (T3) und eventuell schon andere Organe befallen hat (T4).

Stadium III
(30 bis 40 Prozent der Patienten): Weit fortgeschrittener Tumor, Lymphknoten sind bereits befallen (N1-2).

Stadium IV
(20 bis 25 Prozent der Patienten): Der Tumor hat das umliegende Gewebe erfaßt. Es sind bereits Metastasen in anderen Organen vorhanden (M1), Lymphknoten können befallen sein (N0-2). (run)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »