Ärzte Zeitung, 20.02.2009

Eine Nische für die CT-Kolonografie

Die Teilnahme an Vorsorge-Koloskopien lässt zu wünschen übrig. Die Hoffnung liegt daher auf Methoden, die eventuell besser angenommen werden wie die CT-Kolonografie. Ist sie reif fürs Screening?

Von Angela Speth

Bei der Darmspiegelung inspizieren Gastroenterologen möglichst das links- und das rechtsseitige Kolon. Mit virtuellen Verfahren ist diese Prozedur einfacher.

2005 haben 2,3 Prozent der Berechtigten in der gesetzlichen Krankenversicherung eine Vorsorge-Koloskopie machen lassen. Angesichts dieser Quote richten sich viele Erwartungen auf nicht-invasive Verfahren wie die CT-Kolonografie (CTC). Noch befindet sich die Methode im Versuchsstadium: Im Juni 2007 waren sich die Experten der gültigen S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" mit einem Konsensus von 95 Prozent einig: "Weder die CT- noch die MRT-Kolonografie können derzeit außerhalb von Studien für das Screening in der asymptomatischen Bevölkerung empfohlen werden." (Z Gastroenterol 46, 2008, 1).

Dieser Beschluss basierte etwa auf einer US-Studie von 2003, die für die CTC bei Polypen über 10 mm nur eine Sensitivität von 50 bis 85 Prozent ergab. (Die Sensitivität ist die Fähigkeit einer Methode, eine vorliegende Krankheit zu anzuzeigen.) Ebenso wurden in einer Meta-Analyse von 2005 zwar 85 Prozent der Patienten mit Polypen über 9 mm entdeckt, aber lediglich knapp die Hälfte derer mit Polypen unter 6 mm.

Mittlerweile jedoch habe sich die Datenlage geändert, sagte Professor Stefan Feuerbach bei einer Veranstaltung der Felix-Burda-Stiftung in München. Zum Beispiel durch eine US-Studie mit rund 2500 Teilnehmern: Mit CTC ließen sich 90 Prozent der Patienten mit Koloskopie-bestätigten Polypen identifizieren. Zu noch besseren Ergebnissen kam eine Münchner Studie mit 307 Teilnehmern: Die Forscher fanden im Vergleich zur endoskopischen Koloskopie mit dem virtuellen Verfahren Polypen unter 5 mm mit einer Sensitivität von 91 Prozent, Polypen über 9 mm mit 92-prozentiger Sensitivität und fortgeschrittene Neoplasien mit 97-prozentiger Sensitivität.

Als Vorteile der CTC nannte der Radiologie von der Uni Regensburg: Die Endoskopie entfällt, und damit entfallen auch die Sedierung und mögliche (seltene) Komplikationen. Allerdings muss sich beim Nachweis von Polypen zu deren Entfernung doch noch eine Koloskopie anschließen. Weiterhin gibt es zu flachen eingesunkenen Läsionen, deren Rate bei Vorsorge-Koloskopien immerhin fast 8 Prozent beträgt, bisher keine Erfahrungen. Und immer noch ist eine Darmreinigung ebenso unvermeidlich wie eine Strahlenexposition, die in der Münchner Studie bei 4,6 milliSievert lag. Das geschätzte Lebenszeitrisiko für ein Karzinom durch CTC betrage 0,14 Prozent im Alter von 50 Jahren, sagte Feuerbach. Zum Vergleich: Die natürliche Exposition pro Jahr liegt bei 3 milliSievert.

Mit diesen neuen Ergebnissen plädierte der Radiologe für eine Überarbeitung der Leitlinien. In den US-Joint Guidelines würde die CTC inzwischen als Option fürs Screening genannt. Sie könne die Teilnehmerzahl erhöhen und sei auch nach unvollständigen Koloskopien sinnvoll. Als Voraussetzung forderte er Standards für Technik, Training und Zertifizierung sowie Studien zur Effizienz.

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