Ärzte Zeitung, 27.02.2009

Großes Staunen im begehbaren Darm

Im Frankfurter Hauptbahnhof wurde Europas größtes Darmmodell aufgebaut. Präsentiert haben dieses Projekt der Felix Burda Stiftung die KV Hessen und das Qualitätsnetz Gastroenterologie.

Von Pete Smith

Zwanzig Meter lang ist das Modell "Faszination Darm", das in vier Abschnitten den gesunden Darm, die Schleimhaut bei entzündlichen Darmerkrankungen sowie die Entstehung von Karzinomen zeigt. Auf Schautafeln erfahren die Besucher Wissenswertes über die "Gesundheitspolizei des menschlichen Körpers".

Dass der Darm beim Erwachsenen acht Meter misst und eine Oberfläche von 400 bis 500 Quadratmetern besitzt, auf der Milliarden von Bakterien siedeln. Dass er 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit verdaut, die ein Mensch im Laufe seines Lebens zu sich nimmt. Mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden zwei Risikofaktoren von Darmkrebs benannt.

Als Besuchermagnet erwies sich das Modell eines begehbaren Darms im Frankfurter Hauptbahnhof.

Fotos: Smith

Wie sich Krebs entwickelt, machen Polypen anschaulich, die zuerst klein sind, dann üppiger werden und sich schließlich verfärben. Jeder dritte Deutsche über 50, erfährt der Besucher, hat solche Polypen, die zunächst keine Beschwerden machen. Dadurch bleibt die Gefahr meist unerkannt. Jährlich erkranken in Deutschland 73 000 Bürger neu an Darmkrebs, 28  000 sterben daran.

Vorsorgemaßnahmen wie Koloskopie und Stuhlbluttest können Darmkrebs nahezu vollständig verhindern, lautet die Botschaft. Wer nach seinem Rundgang noch Fragen hat, kann diese im Gespräch klären. Hans-Jürgen Lange, Internist und Gastroenterologe aus Neu-Isenburg, sowie sein Kollege Dr. Kai Miesel vom Bethanienkrankenhaus in Frankfurt am Main, stehen den ganzen Tag Rede und Antwort.

Bei wem macht eine Darmspiegelung Sinn? Ist sie schmerzhaft? Gar gefährlich? Kann man eine Koloskopie auch unter Narkose vornehmen lassen? Das, sagt Lange, seien die häufigsten Fragen, die ihm gestellt würden. Leider sei das Thema Darmkrebs nach wie vor mit vielen Ängsten behaftet, auch die Scham sei bei Fragen rund um den Darm anhaltend groß.

Ein Indiz: Nur 13 bis 15 Prozent der Anspruchsberechtigten lassen sich untersuchen. Deshalb plädiert der Neu-Isenburger Internist dafür, dass sich noch mehr Prominente für die Darmkrebsvorsorge stark machen. Denn die "guten Apostel", wie Lange sie nennt, seien die besten Botschafter der Darmkrebsprävention.

Die Gastroenterologen Hans-Jürgen Lange (links) und Dr. Kai Miesel stellten sich den Fragen der Bürger rund um das Thema Darmkrebs.

Für das Projekt "Faszination Darm" gibt es feste öffentliche Termine, aber man kann den aufblasbaren Schlauch gegen Transport- und Aufbaukosten auch mieten.

www.faszination-darm.de, www.darmkrebs.de, www.felix-burda-stiftung.de, www.netzwerk-gegen-darmkrebs.de

Online-Sprechstunde zu Darmkrebstherapie

Am Montag, dem 2. März, gibt es von 19 bis 21 Uhr eine medizinische Online-Sprechstunde zu Darmkrebs. Dr. Werner Freier, niedergelassener Onkologe aus Hildesheim, beantwortet Fragen zu neuen Therapiestandards.

www.experten-sprechstunde.de

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