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Zehn Prozent der kritischen Befunde werden übersehen

Die Koloskopie ist der Goldstandard der Darmkrebs-Vorsorge, aber auch hier gibt's Fehler.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Der Darm muss auf Polypen überwacht, aber auch das Verfahren der Untersuchung selbst ständig auf Qualität geprüft werden.

Der Darm muss auf Polypen überwacht, aber auch das Verfahren der Untersuchung selbst ständig auf Qualität geprüft werden.

© Foto: Klaro

Eine Studie mit doppelter Koloskopie hat ergeben, dass bei Vorsorgekoloskopien etwa jeder zehnte kritische Befund übersehen wird. Engländer und US-Amerikaner diskutieren jetzt über Qualitätsstandards und deren Überwachung.

Bei einer Untersuchung aus Frankreich wurden bei 286 Probanden in einem Vorsorgeszenario Tandemkoloskopien gemacht. Dabei folgt auf die erste Koloskopie unmittelbar eine zweite durch einen anderen Untersucher.

Ziel der französischen Studie war es, die Rate jeweils übersehener Befunde zu quantifizieren. Die mediane Dauer der ersten Koloskopie lag bei 17 Minuten, die der zweiten bei 14 Minuten. Die Rückzugszeit betrug acht oder sechs Minuten.

Wie sich herausstellte, wird ein nicht unerheblicher Teil von Befunden bei Vorsorgekoloskopien übersehen, berichtete Professor Rainer Porschen aus Bremen beim Gastro Update 2009 in Berlin. So betrug die Fehlerrate bei Polypen 28 Prozent und bei Adenomen 20 Prozent.

Auch prognostisch relevante Befunde wurden längst nicht immer entdeckt: "Für Adenome größer 5 Millimeter lag die Fehlerrate bei neun Prozent und für fortgeschrittene Adenome bei elf Prozent", sagte Porschen in Berlin. Besonders oft übersehen würden flache und kleine Befunde sowie Befunde im distalen Kolon, vor allem im Sigma.

Als Reaktion auf diese und ähnliche Untersuchungen wird in Großbritannien und den USA derzeit intensiv über eine regelmäßige Qualitätsprüfung der Vorsorgekoloskopie diskutiert. So verlangt die British Society of Gastroenterology mindestens 100 Vorsorgekoloskopien pro Jahr und eine Coecumintubationsrate von größer als 90 Prozent.

Auch eine Adenom-Detektionsrate von 10 bis 20 Prozent könne als überprüfbares Kriterium verwendet werden, sagte Porschen. Er erwarte, dass die Diskussion um Qualitätsindikatoren bald auch in Deutschland intensiver geführt werde.

Lesen Sie dazu auch: Leitlinie zum Screening bei Colitis ulcerosa

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