Ärzte Zeitung, 14.03.2011

Neue Strategie hält BMI bei Kolon-Ca konstant

Neue Strategie hält BMI bei Kolon-Ca konstant

Eine Kombi von enteraler und parenteraler Ernährung hält bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs das Gewicht stabil. Und sie verlängert das Überleben.

Von Angela Speth

MANNHEIM. Bei etwa einem Drittel der Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs kommt es als Prodromalzeichen zu ungewolltem Gewichtsverlust. Das verhindert einer Studie zufolge eine parenterale Ernährung zusätzlich zu enteraler Kost. Und die Kombination hat noch einen bedeutsamen Gewinn: Die Patienten leben im Median sechs Monate länger als jene, die nur enteral versorgt werden.

Die Forscher aus Mannheim berichten über weitere Vorteile: Gastrointestinale Beschwerden sowie unerwünschte Wirkungen einer Chemotherapie treten seltener auf, und die Lebensqualität ist besser (Colorectal Disease 2010, 12: e190).

Ärzte um Professor Edward Shang hatten prospektiv 82 Patienten mit Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium UICC IV untersucht. Alle erhielten palliativ die Zytostatika Folinsäure und 5-FU. Die Ernährungstherapie begann, nachdem es bei ihnen zu einer Mangelernährung gekommen war, definiert als Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten oder einem Body Mass Index unter 20 kg/m2.

40 Teilnehmer nahmen nach Belieben oral Nahrung zu sich, ergänzt um eine enterale Formuladiät. Die übrigen erhielten zusätzlich nachts über einen zentralvenösen Port Infusionen mit Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß. In der Bilanz war die Kalorien- und Proteinzufuhr in beiden Gruppen gleich.

Alle sechs Wochen über einen Zeitraum von median knapp 13 Monaten ermittelten die Wissenschaftler Parameter wie BMI, Körperzellmasse und Laborwerte. Zur Bestimmung der Lebensqualität nutzen sie den Fragebogen der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC), der etwa körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit, emotionale und soziale Faktoren berücksichtigt.

Dabei stellte sich heraus, dass die Patienten von der zusätzlichen parenteralen Ernährung profitierten. Relevant ist vor allem der Überlebensvorteil von 16,7 Monaten im Vergleich zu 10,2 Monaten. In dieser Gruppe blieb auch der BMI konstant, wogegen er bei den Patienten ohne Zusatz nach sechs Monaten abnahm, bis nach 36 Wochen ein signifikanter Unterschied erreicht war. Ähnlich verhielt es sich mit der Körperzellmasse: Hier erreichte der Unterschied nach sechs Wochen Signifikanz.

Mit der kombinierten Ernährung blieben auch die Hämoglobin- und Albuminwerte stabil, mit oraler Kost allein jedoch war das Hämoglobin ab der 42. Woche signifikant gesunken, das Albumin ab der 36. Woche. Bei der Lebensqualität kam es ab der 18. Woche zu einer signifikanten Differenz.

Ein Nutzen ergab sich außerdem bei den gastrointestinalen Symptomen wie vorzeitige Sättigung, Verstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Unerwünschte Effekte der Chemotherapie wie Mukositis (22 versus 32 Prozent) und Durchfall (9 versus 24 Prozent) kamen gleichfalls signifikant seltener vor. "Die geringere Mukositis-Rate lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass die parenterale Ernährung den Proteinanteil des Körpers stabilisiert", vermutet Shang in einer Mitteilung von Fresenius Kabi.

Die Autoren weisen darauf hin, dass der fortschreitende Verlust von Gewicht, Körperzellmasse, Fett und Protein bei schwer krebskranken Patienten selbst mit normaler Kalorienzufuhr nicht aufzuhalten ist. Die zusätzliche parenterale Ernährung dagegen wirke anabol, wie mehrere Studien belegen.

Fazit: Der schwere Proteinverlust bei malignen Krankheiten ist ein Schlüssel zur veränderten Körperzusammensetzung. Eine Supplementation mit parenteraler Ernährung beugt dem Abbau vor.

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