Ärzte Zeitung, 18.11.2011

Grillsteaks lassen Darmpolypen gedeihen

Eine neue Studie untermauert, dass Fleischverzehr Krebs fördern kann. US-Forscher haben das jetzt bei rotem Fleisch und der Entstehung von Darmpolypen nachgewiesen. Entscheidend war allerdings die Zubereitungstemperatur.

Grillsteaks lassen Darmpolypen gedeihen

Steaks: Lecker aber kräftig gegrillt nicht unbedingt gesundheitsfördernd.

© LianeM / fotolia.com

NASHVILLE (BS). Bei Personen, die viel Fleisch essen, finden sich häufiger kolorektale Polypen. Besonders ungünstig ist der Verzehr von rotem Fleisch, das stark erhitzt, also gebraten oder gegrillt wurde.

Das hat die bisher größte Koloskopiestudie zu diesem Thema bestätigt (Cancer Prev Res 2011; 4: 1686).

An der Studie beteiligten sich 2543 Patienten mit Darmpolypen, davon 1881 mit Adenomen und 622 mit hyperplastischen Polypen (HPP), sowie 3764 Personen, bei denen kein Polyp entdeckt worden war.

Ungesunder Lebensstil

Patienten mit Polypen waren im Vergleich zu den Kontrollpatienten häufiger männlich und Raucher, tranken regelmäßiger Alkohol, hatten einen höheren BMI, bewegten sich weniger und nahmen seltener NSAR ein.

Alle Studienteilnehmer wurden detailliert zu ihrem Fleischkonsum befragt.

Ein erhöhtes Risiko für Polypen fand sich bei ausgeprägten Karnivoren mit Vorliebe für rotes oder verarbeitetes Fleisch (Schinken, Wurst).

Weißes Fleisch hatte keinen Effekt

Der Risikoanstieg bei rotem Fleisch konnte auf Fleischmahlzeiten aus der Pfanne oder vom Grill zurückgeführt werden.

Mit niedrigeren Temperaturen zubereitetes rotes Fleisch hatte dagegen keinen Effekt.

Alle Korrelationen zeigten sich gleichermaßen für Adenome wie für HPP. Reichlicher Verzehr von weißem Fleisch, sprich Huhn oder Fisch, war nicht mit einem höheren Risiko für Polypen assoziiert.

Amine treiben das Risiko hoch

Mit einer Software des US-Krebsinstituts wurde die mit dem Fleischverzehr verbundene Mutagenexposition abgeschätzt.

Demnach steigt das Risiko für Adenome und für HPP mit der Aufnahme von heterozyklischen Aminen und mit dem so genannten Mutagenitätsindex der Fleischmahlzeiten.

Die Studie ist damit ein weiterer Beleg dafür, dass Fleischverzehr bei der Entstehung kolorektaler Tumoren von Bedeutung ist.

[18.11.2011, 12:09:47]
Dr. Horst Grünwoldt 
Fleischesser und Karnivoren
In allen Ländern der Welt, wo der allgemeine Wohlstand wächst, nimmt auch der Fleischkonsum zu. Da mögen die Vegetarier noch so stark trommeln.
Einseitiger Fleischverzehr und die Feststellung von Darmpolypen bei starken Fleischessern ist eigentlich längst bekannt; dagegen kommen die bei den reinen Karnivoren (fleischfressende Raubtiere) wegen ihres relativ kurzen Magen-Darm-Traktes und ihrer Enzym-Ausstattung nicht vor.
Also muß das wohl daran liegen, daß der menschliche (mittellange) Darm für den Gemischtkostler ausgelegt ist.
Die Mär vom riskanten roten, eisenreichen Fleisch bringt das leckere Rind- und Lammfleisch wieder mal bei den Geflügel- und Schweinefleisch- Essern in die Verbotszone. Dabei ist das frühreife, weiße Fleisch von 5-Wochen-Hähnchen und 5-Monatsschweinen von deutlich geringerem Nähr- und Genußwert.
Daß in der zit. amerikanischen Studie der Vielmänner-Studiosi das rote Fleisch gebrandmarkt wird, liegt wohl auch daran, daß in den USA vor allem "beef" (außerdem behandelt mit "tenderisern"= proteolytischen "Zartmachern") auf den Grill kommt; und dazu noch auf den Teller ohne "salad", sondern nur mit Pommes.
Schlimmstenfalls sogar wie bei MacPom u.a. als "Beefburger" in Verbindung mit einem pappigen "rolls" und einer Schmelzkäse-Zubereitung!
All dieser Fleischkonsum kann ohne die angemessene Darmkrebs-Schutz-Portion Grünzeug natürlich nicht gesund sein.
In Deutschland haben wir ja sogar die Unsitte, gepökelte Fleischteile (Kassler Kottelett, Currywürste und Krakauer) auf den Grill oder in die Bratpfanne zu legen; mit dem Effekt, daß aus dem Natrium-Nitrit-Salz in Verbindung mit dem Fleischeiweiß und der Hitze noch zusätzlich die kanzerogenen Nitrosamine neben den angebrannten Benzpyrenen entstehen und gegessen werden.
Was überhaupt nicht anzuzweifeln sein dürfte, ist die biologische Wertigkeit von gut zubereiteten Fleisch als leicht verfügbarer und homologer Nährstoff für die Entwicklung und den Erhalt unserer Muckis und des humanen Riesenhirns.
Und zwar auch leckeres "Steak/Frittes & Salad" - natürlich mit einem Glas Rotwein verkostet. Nach ausreichender Verdauungs-Bewegung bleibt dann den Polypen kaum Gelegenheit zum wuchern...
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, ein alter Genießer aus Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »