Samstag, 4. Juli 2015
Ärzte Zeitung online, 29.01.2013

Kolorektal-Op

Gefahr bei postoperativen Infekten

Bei Patienten mit einer Kolorektal-Op müssen Kollegen das Risiko für Thrombosen und Embolien berücksichtigen. Das Problem sind offenbar postoperative Infektionen.

Gefahr bei postoperativen Infekten

An den Risiken denken.

© BVmed-Bilderpool

INDIANAPOLIS. Patienten, die am Darm operiert werden müssen, tragen ein hohes Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien. Postoperativen Infektionen kommt dabei laut einer neuen US-Studie ein erhebliches Gewicht zu.

An der von Francesca Monn von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis geleiteten Studie war eine Kohorte von 615 Patienten beteiligt. Ihre Daten wurden retrospektiv analysiert (J Am Coll Surg 2013; online 10. Januar).

4,1 Prozent von ihnen entwickelten innerhalb von 30 Tagen nach der Operation eine venöse Thromboembolie (VTE). Im Einzelnen handelte es sich um tiefe Venenthrombosen (TVT, 2,6 Prozent), Lungenembolien (LE, 0,7 Prozent) beziehungsweise um beides, TVT plus PE (0,8 Prozent).

Die multivariate Analyse förderte die Faktoren zutage, die nach einer kolorektalen Operation zum Entstehen einer VTE führen können. Disseminierte Krebserkrankungen schlugen mit einer 4,38-fachen Risikosteigerung zu Buche.

Postoperative Infektionen erhöhten die Gefahr 4,21-fach - und hier vor allem Entzündungen in der operierten Organhöhle und Pneumonien. Infekte nach der Op hatten sich 56 Prozent aller späteren VTE-Patienten eingefangen.

Risikopatienten identifizieren

In der Gruppe ohne thromboembolische Komplikationen war dies nur bei 26,1 Prozent der Patienten der Fall gewesen. Ein weiterer Risikofaktor waren notfallmäßig vorgenommene Eingriffe, die das VTE-Risiko 2,8-fach nach oben trieben.

Die VTE-Rate in der Studienpopulation war niedrig - bei fehlender Prophylaxe ist mit einer TVT bei 40 Prozent und mit einer LE bei fünf Prozent der Patienten zu rechnen. Dennoch stellten sich Monn und Kollegen der Frage, ob die im Studienkollektiv beobachteten VTE vermeidbar gewesen wären.

Dabei ergab sich, dass mit 92 Prozent nahezu alle der Patienten mit VTE eine Thromboseprophylaxe lege artis erhalten hatten.

Eine Thromboembolie, die durch evidenzbasierte Vorbeugung womöglich verhindert worden wäre, hatten also rechnerisch acht Prozent der VTE-Patienten beziehungsweise 0,3 Prozent aller Patienten nach kolorektalen Operationen erlitten.

"Es ist durchaus berechtigt, weiter zu untersuchen, wie Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren sind", schreiben die Forscher. Dies könnte zu neuen Strategien führen, mit denen sich die Inzidenz postoperativer VTE weiter senken lässt. Postoperative Infektionen scheinen jedenfalls ein frühes Warnzeichen zu sein. (rb)

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