Ärzte Zeitung, 02.05.2013

Hessen

Auf, auf zur Darmkrebsvorsorge!

Schlusslicht Hessen: Nur jeder Fünfte der über 55-Jährigen nutzen in diesem Bundesland die Chance auf eine Vorsorgedarmspiegelung - nirgendwo sonst ist das Interesse geringer.

Von Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 70.000 Menschen an Dickdarmkrebs, 30.000 Patienten jährlich sterben an dieser Krankheit.

Das Bundesland Hessen ergreift nun die Initiative und wirbt dafür, dass mehr Menschen als bisher Vorsorgeangebote wie Okkultbluttest und Koloskopie in Anspruch nehmen.

Ihr Vorhaben stellten Ärzte und Politiker auf einer Pressekonferenz aus Anlass des 22. Kongresses der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Frankfurt am Main vor.

Darmkrebs ist in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. "Dabei ist dieser Krebs bei entsprechender Vorsorge verhinderbar", sagte Professor Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik I sowie Leiter des Schwerpunktes Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Dennoch sei die Zahl der Vorsorge-Koloskopien in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen. Hessen bildet dabei bundesweit das Schlusslicht.

Nur 20 Prozent der über 55-jährigen Hessen nehmen die ihnen zustehende Darmspiegelung in Anspruch. In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sind es immerhin 36 und 33 Prozent.

Ein Paradigmenwechsel

Seit dem 9. April dieses Jahres ist das Krebsfrüherkennungs- und Krebsregistergesetz in Kraft, das einen Paradigmenwechsel einleitet. Künftig werden alle Bürger ab 50 Jahren zum Okkultbluttest und ab 55 Jahren zur Koloskopie eingeladen.

Allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss bis 2016 Zeit, die Früherkennungsprogramme auszugestalten. So lange wollen die niedergelassenen Gastroenterologen in Hessen indes nicht warten und werben dafür, das beschlossene Verfahren als Pilotprojekt schon jetzt einzuführen.

"Unser Bundesland eignet sich in idealer Weise als Modellregion", sagte Dr. Wolfgang Tacke, Vorstandsvorsitzender der Gastroenterologie Hessen eG.

Unterstützung erhalten sie dabei sowohl von ihren Kollegen am Universitätsklinikum als auch vom Hessischen Sozialministerium, dessen oberster Dienstherr, Staatsminister Stefan Grüttner, die Kampagne in Frankfurt unterstützte.

"Das Thema Darmkrebsvorsorge wollen wir stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen", sagte Grüttner und führte als Beispiel die Aktion "1000 mutige Männer für Offenbach" an, die 2012 sehr erfolgreich für die Vorsorge-Koloskopie geworben hat und nun auf Wiesbaden übertragen werden soll.

"Vorsorge muss cool sein"

Bei sieben Prozent der beschwerdefreien Bürger würden im Zuge der Vorsorge-Koloskopie fortgeschrittene Polypen entdeckt, bei einem Prozent ein Karzinom, sagte Professor Jürgen Riemann, Sprecher der Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Darmkrebsfrüherkennung im Nationalen Krebsplan.

Er warb dafür, Prävention positiv zu besetzen: "Vorsorge muss cool sein."

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