Ärzte Zeitung, 17.07.2013

Screening, nein danke!

Darum lassen viele die Darmspiegelung sausen

Warum nehmen viele Menschen nicht am Darmkrebsscreening teil? Dieser Frage gingen niederländische Forscher nach. Ihr Ergebnis zeigt: Nicht wenige haben schlichtweg Angst.

Von Peter Leiner

Darum lassen viele die Darmspiegelung sausen

Darmspiegelung: Viele Menschen haben Angst vor dieser Untersuchung.

© Klaro

ROTTERDAM. Um eine Ahnung davon zu bekommen, was Menschen dazu bewegt, an einem Darmkrebsscreening teilzunehmen, haben Gastroenterologen vom Medizinischen Zentrum der Universität Rotterdam Einladungen zum Screening an fast 4000 zufällig ausgewählte Niederländer im Alter zwischen 50 und 75 Jahren verschickt (Eur J Canc 2013; 49 (10): 2321-2330).

Sie wurden gefragt, ob sie eine kleine Darmspiegelung - eine Sigmoidoskopie -, einen Okkultbluttest oder einen immunologischen Stuhlbluttest machen lassen wollen.

Darüber hinaus wurde denen, die zusagten oder ablehnten, ein Fragebogen geschickt, um unter anderem die Gründe für die jeweilige Entscheidung zu erfahren.

Studienteilnehmern, die keine Sigmoidoskopie wollten, wurde ein Stuhlbluttest angeboten. Als Kontrollgruppe dienten 500 Niederländer ohne Screening.

"Nein", weil der Bauchschmerz fehlt

Insgesamt 75% (341 von 452) der Niederländer, die angaben, am Screening teilnehmen zu wollen, schickten auch die Fragebögen zurück, aber nur 21% (676 von 3212) derjenigen, die das Screening ablehnten, und 38% der Teilnehmer in der Vergleichsgruppe.

Eine informierte Entscheidung (informed choice) trafen 81% der Teilnehmer (359 von 443), die sich für die Teilnahme am Darmkrebsscreening aussprachen, aber nur 12% (46 von 385) derjenigen, die nicht mitmachen wollten.

Insgesamt 52% der Studienteilnehmer waren zwar gut informiert, entschieden sich aber dennoch gegen eine Teilnahme am Screening.

Das konnte mehrere Gründe haben, außer terminlichen Problemen waren das unter anderem gesundheitliche Beeinträchtigungen und vor allem Angst vor der Untersuchung.

Der am meisten genannte Grund, warum eine Teilnahme am Screening mit dem Stuhlbluttest abgelehnt wurde, waren fehlende abdominelle Beschwerden.

Bei der Ablehnung der Sigmoidoskopie nannten die Teilnehmer darüber hinaus als Grund die Angst vor der unangenehmen Untersuchung und vor möglichen Risiken.

Die am häufigsten genannten Gründe für eine Screeningteilnahme waren die mögliche Entlastung von Krebsangst sowie die Möglichkeit, frühzeitig Krebs oder Vorstufen zu entdecken.

Krebsfrüherkennungsgesetz verabschiedet

Die niederländischen Gastroenterologen betonen, wie wichtig es ist, die Menschen über Darmkrebs und die Screeningmöglichkeiten aufzuklären, vor allem über die Tatsache, dass Darmkrebssymptome erst spät im Verlauf der Erkrankung auftreten können oder die Krebserkrankung ohne abdominelle Beschwerden verlaufen kann.

Sie plädieren dafür, noch stärker als bisher Informationen über das Darmkrebsscreening an die Frau und den Mann zu bringen, sei es über Broschüren, Veranstaltungen oder Berichte in verschiedenen Medien.

Auch in Deutschland ist die Teilnahmerate bei der Darmkrebsvorsorge trotz großer Anstrengungen bei der Aufklärung der Bevölkerung noch nicht optimal.

Verbesserung erhoffen sich viele vom organisierten Einladungsverfahren als wesentlichem Teil der Krebsfrüherkennungsprogramme, bei dem Versicherte regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung eingeladen werden.

Das entsprechende "Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister" hat vor kurzem den Bundesrat passiert. Nach dem Inkrafttreten soll es bis 2016 umgesetzt werden.

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