Ärzte Zeitung, 09.04.2014

Darmkrebs: DNA-Test punktet beim Screening

Ein neuartiger DNA-basierter Stuhltest ist beim Darmkrebs-Screening dem immunologischen Okkultbluttest zumindest teilweise überlegen. Mit dem Verfahren wurden mehr Karzinomfrühstadien korrekt diagnostiziert, es führte aber auch zu mehr falsch-positiven Befunden.

Von Elke Oberhofer

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Darmkrebs-Vorstufe Polyp in der Koloskopie. Ein neuer DNA-Test besticht durch seine Nicht-Invasivität und eine hohe Sensitivität.

© Sasa I. / panthermedia.net

INDIANAPOLIS. Ein einfach zu handhabender, nicht invasiver Test, der sowohl kolorektale Karzinome als auch deren Vorstufen zuverlässig entdeckt - das ist derzeit noch eine Wunschvorstellung.

Mit der Entwicklung eines neuen DNA-basierten Stuhltests, der krebsspezifische Genmutationen und okkultes Blut erkennt, ist man diesem Ziel ein Stück nähergekommen. Der "Cologuard" spricht auf mehrere genetische Aberrationen an: methylierte BMP3-Promoter-Regionen, K-RAS-Mutationen und auf das Referenzgen Beta-Actin.

Enthalten ist außerdem ein Immunassay auf Hämoglobin. Thomas F. Imperiale und sein Team von der Universität Indiana haben die Neuentwicklung nun gegen einen immunologischen Test auf okkultes Blut (iFOBT) ins Rennen geschickt (NEJM 2014; online 19. März).

Beide Verfahren wurden zwischen Juni 2011 und November 2012 im Rahmen eines Darmkrebs-Screenings bei asymptomatischen US-Amerikanern und Kanadiern im Alter zwischen 50 und 84 Jahren eingesetzt.

Knapp 10.000 Menschen hatten in 90 Praxen und Zentren teilgenommen; sie alle hatten eine Stuhlprobe abgegeben und sich danach innerhalb von 90 Tagen einer Koloskopie unterzogen.

Diese ergab bei 65 Teilnehmern die Diagnose "Darmkrebs", in 60 Fällen die Stadien I-III. Bei 757 Patienten wurde eine fortgeschrittene präkanzeröse Läsion befundet.

Der DNA-Test erfasste 92,3 Prozent der Krebsfälle sowie 42,4 Prozent der relevanten Vorstufen korrekt. Von den hochgradigen Dysplasien wurden mit dem neuen Verfahren 69,2 Prozent aufgedeckt, bei den sessilen serratierten Polypen von über 1 cm Durchmessser waren es 42,4 Prozent.

Ältere DNA-Tests liefern Detektionsraten von 50 Prozent für invasive Karzinome und von 20 Prozent für fortgeschrittene Adenome. Der Pferdefuß des neuen Gentests ist seine geringe Spezifität: Sie wird mit 86,6 Prozent angegeben.

Deutlich niedriger als beim DNA-Test lag die Detektionsrate des iFOBT mit 73,8 Prozent der Karzinome. Wenig zuverlässig war der iFOBT vor allem bei den hochgradigen Dysplasien; hier lag die Sensitivität bei 46,2 Prozent.

iFOBT mit hoher Spezifität

Vorstufen wurden nur in 23,8 Prozent erkannt, bei den sessilen serratierten Polypen waren es 5,1 Prozent. 13 von 60 Karzinomen, die im DNA-Test aufgefallen waren, hatte der iFOBT nicht erfasst, das Gleiche gilt für 170 von 757 fortgeschrittenen präkanzerösen Läsionen.

Der iFOBT bestach vor allem durch seine hohe Spezifität von 94,9 Prozent. Für die Erkennung eines kolorektalen Karzinoms betrug der Unterschied zum DNA-Test 6,6 Prozentpunkte, für die Erkennung einer Krebsvorstufe 8 Prozentpunkte.

Imperiale und Kollegen weisen allerdings auf die umgekehrte Korrelation zwischen der Spezifität des DNA-Tests und dem Alter des Screening-Kandidaten hin: So stieg die Rate der richtig negativen Ergebnisse bei den jüngeren Teilnehmern zwischen 50 und 64 Jahren auf 91,5 Prozent.

Imperiale et al. errechneten, dass man, um einen Krebsfall zu diagnostizieren, mit dem DNA-Test 166 Menschen screenen müsste, mit dem iFOBT dagegen 208. Die entsprechende Zahl läge für die Koloskopie bei 154.

Die Rate der Früherkennung in heilbaren Krebsstadien (I-III) war mit dem DNA-Test im Vergleich zum iFOBT um relative 27 Prozent gestiegen. Deutlich größer war der Zugewinn bei den relevanten Krebsvorstufen: Hier lag der Anstieg der Detektionsrate gar bei 78 Prozent.

Für die Wissenschaftler sind die Nicht-Invasivität und die hohe Sensitivität bei einmaliger Anwendung klare Argumente für das Darmkrebs-Screening mit dem neuen DNA-Test. Über Testintervalle und -Design müsse man sich noch Gedanken machen; Imperiale vermutet, dass man die Frequenz auf weniger als einmal jährlich senken könnte.

Auch ein Expertenteam der US-Arzneizulassungsbehörde FDA hat sich mittlerweile für den "Cologuard" ausgesprochen: Dessen Nutzen, ließ die Fachgruppe Ende März verlauten, überwiege die Risiken, die für die Patienten in Form von falsch positiven Befunden entstünden.

Herkömmliche Methoden wie "Hämoccult" und iFOBT verlassen sich auf die Detektion von Blut. Nicht alle Läsionen gehen jedoch mit einer Blutung einher. In den USA steht zu erwarten, dass der neue Gentest in Bälde zugelassen wird.

In Deutschland ist keine derartige Neuerung im Sicht. Für das Darmkrebs-Screening wird hierzulande nach wie vor ab dem 50. Lebensjahr der jährliche Okkultbluttest sowie ab 55 Jahren eine Darmspiegelung empfohlen.

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