Ärzte Zeitung online, 22.06.2015

Kolorektalkarzinom

Gesunder Lebensstil zögert Krebstod hinaus

Trotz einer niederschmetternden Darmkrebs-Diagnose lohnt es sich, weiter einen gesunden Lebensstil beizubehalten, zeigt eine aktuelle Studie. Das Risiko, frühzeitig an den Folgen der Krebserkrankung zu sterben, sinkt dadurch erheblich.

Von Peter Leiner

Gesunder Lebensstil zögert Krebstod hinaus

Gesunde Ernährung sollte beibehalten werden - auch nach einer Darmkrebs-Diagnose.

© Minerva Studio / iStock / Thinkstock

LONDON. Wie sich der Lebensstil vor der Krebsdiagnose in Anlehnung an die Empfehlungen des World Cancer Research Fund/American Institute of Cancer Research (WCRF/AICR) zur Krebsprävention unter anderem auf das krebsspezifische Überleben auswirkt, haben Forscher um die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Dora Romaguera vom Imperial College London mithilfe von Daten der prospektiven EPIC-Studie untersucht.

Das Akronym steht für "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition".

520.000 Probanden

An der Studie, die zwischen 1992 und 1999 gemacht wurde, nahmen mehr als 520.000 Probanden teil (BMC Medicine; online 7. Mai). Für die aktuelle Untersuchung konnten die Daten von 3292 Teilnehmern genutzt werden, die im Verlauf des Follow-up an einem Kolorektalkarzinom erkrankt waren.

Davon hatten 2071 Patienten Darmkrebs und 1221 ein Rektumkarzinom. Insgesamt 1113 Patienten starben im Untersuchungszeitraum, 872 Patienten an den Folgen des Kolorektalkarzinoms.

In ihrer Studie prüften die Wissenschaftler die Assoziation zwischen dem Einhalten der Empfehlungen zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Körperfettanteil. Sie bildeten vier Kategorien, je nachdem wie strikt die Teilnehmer eigenen Angaben zufolge diese Empfehlungen befolgt hatten.

Teilnehmer in der höchsten Kategorie 4 hielten sich am stärksten daran. Vergleichsgruppe waren Teilnehmer der niedrigsten Kategorie 1. Das Follow-up von der Studienaufnahme bis zur Krebsdiagnose betrug 6,4 Jahre, von der Diagnose bis zum Follow-up-Ende 4,2 Jahre.

Nicht nur Gesunde profitieren

Die Regressionsanalyse der Daten ergab, dass die krebsspezifische Mortalität umso niedriger war, je stärker sich die Teilnehmer an die Empfehlungen gehalten hatten.

Die multivariate Analyse ergab in den Kategorien 2 bis 4 eine Hazard Ratio (HR) von 0,87 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,72 und 1,06), 0,74 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,61 und 0,90) sowie 0,70 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,56 und 0,89).

Die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen der Krebserkrankung zu sterben, wurde somit um bis zu 30 Prozent verringert. Die entsprechenden HR-Werte für den Parameter "Gesamtmortalität" lagen bei 0,89, 0,77 und 0,79.

Von den Empfehlungen profitieren somit offenbar nicht nur Gesunde, sondern auch Menschen, die später an einem Kolorektalkarzinom erkranken.

Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass sie Angaben zur Therapie nicht konsequent berücksichtigen konnten. Zudem können sie nicht ausschließen, dass sich nach der Krebsdiagnose der Lebensstil mancher Patienten verändert hat.

Es gebe aber Hinweise, dass sich manche Patienten nach der Diagnose eine noch gesündere Lebensweise als zuvor zu eigen machten.

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