Ärzte Zeitung online, 28.10.2015

Kommentar zu krebserregendem Fleisch

Es geht um die Wurst

Von Robert Bublak

Was haben Tabakrauch, Asbest und Formaldehyd mit einer Salami gemeinsam? Antwort: Sie werden von der IARC, der Agentur für Krebsforschung der WHO, in die gleiche Risikoklasse eingestuft. Und zwar in die schlimmste: "Karzinogen für Menschen".

Da kann einem durchaus das Wurstbrot im Halse stecken bleiben. Die Einstufung stellt aber zunächst klar, wie gesichert die Erkenntnis zur Karzinogenität ist, und nicht, wie gefährlich die Substanz. 50 Gramm verarbeitetes Fleisch pro Tag erhöhen das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, laut IARC um durchschnittlich 18 Prozent.

Auf das Lebenszeitrisiko für Darmkrebs gerechnet, das für Männer bei 7 Prozent liegt, bedeutet dies eine Erhöhung auf 8,3 Prozent. Für Frauen steigt die Gefährdung von 5,7 auf 6,7 Prozent.

Das klingt zunächst nach einem überschaubaren Effekt. Im Durchschnitt essen die Deutschen freilich bedeutend mehr als 50 Gramm Fleischwaren am Tag. Und in der verzehrten Menge liegt wohl auch das eigentliche medizinische Problem.

Denn schließlich gilt spätestens seit Paracelsus: Alle Dinge sind Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. Paracelsus bezog sich dabei übrigens, ein paar Jahrhunderte vor der IARC, ausdrücklich auch auf Speisen und Getränke.

Lesen Sie dazu auch:
Krebserregender Aufschnitt: Jetzt geht's um die Wurst

[28.10.2015, 23:41:11]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Statt vor der "HAXE DES BÖSEN" zu warnen ...
hätten die 22 Forscher und der IARC, die Agentur für Krebsforschung der WHO, in Lyon/F dies nur so formulieren müssen, wie der Kollege Robert Bublak hier als ÄZ-Kommentar.

Denn man kann Tabakrauch, Asbest und Formaldehyd mit einer Salami nicht in einen Topf werfen - da würde es Paul Bocouse, jenen legendären Meisterkoch in Lyon, nur so schütteln. Jeder Apfel, jede Weintraube, ja selbst Naturholz enthält Formaldehyd (Methanal als IUPAC-Name). Und Salami ist nicht gleich Salami bzw. "Rotes Fleisch" ist in Wahrheit nur für den einfältigen Verbraucher eingefärbt worden - es wäre naturbelassen nur blass grau-braun-rosé changierend.

Als Beispiele für die umstrittene Studienlage:
"Processed and Unprocessed Red Meat and Risk of Colorectal Cancer: Analysis by Tumor Location and Modification by Time" von A. M. Bernstein et al.
PLoS ONE 10(8): e0135959. doi:10.1371/journal.pone.0135959

"It is time to stop counting calories, and time instead to promote dietary changes that substantially and rapidly reduce cardiovascular morbidity and mortality" von A. Malhotra et al.
Open Heart 2015;2:e000273. doi:10.1136/openhrt-2015-000273

und

Kritische Kontoverse in: Ärzte Zeitung, 19.10.2015, "Brust- und Darmkrebs - Erreger in Fleisch unter Verdacht..." von Peter Leiner
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/article/896722/brust-darmkrebs-erreger-fleisch-verdacht.html

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »