Ärzte Zeitung, 28.05.2009

Mikrobläschen verbessern Sonografie

19 von 20 bösartigen Lebertumoren ließen sich in einer Studie mit neuem Verfahren korrekt erkennen

ERLANGEN (gvg). Per kontrastmittelverstärktem Ultraschall können 19 von 20 bösartigen Lebertumoren, deren Dignität im herkömmlichen Ultraschall unklar war, korrekt als bösartig identifiziert werden. Die Methode erspart Patienten damit CT- oder MRT-Untersuchungen.

Sonografie-Bild bei Lebertumor (HCC), B-Bild. Gut zu erkennen ist eine große, gemischt echogene Läsion.

Das belegt eine prospektive Multicenterstudie der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Sie wurde bei einer vom Unternehmen Bracco Imaging Deutschland unterstützten Veranstaltung beim Internistenkongress in Wiesbaden vorgestellt.

An der Untersuchung nahmen 1349 Patienten aus 24 Kliniken teil, die einen im Ultraschall-B-Bild und im Farb-Doppler unklaren Lebertumor hatten. Bei allen Patienten wurde zur weiteren Diagnostik ein kontrastmittelverstärkter Ultraschall gemacht. Dabei kamen als Kontrastmittel gasgefüllte Mikrobläschen zum Einsatz, die von einer Phospholipidmembran umgeben sind (SonoVue®). Als Goldstandard diente bei 75 Prozent der Patienten die Leberhistologie, bei den übrigen ein CT- oder MRT-Befund.

Im Ergebnis zeigte sich eine hohe Sensitivität und Spezifität. 19 von 20 malignen Läsionen wurden korrekt erkannt (Sensitivität 96 Prozent), außerdem acht von zehn benignen (Spezifität 83 Prozent). Daraus errechnet sich eine positive Vorhersagekraft für eine bösartige Läsion von rund 95 Prozent.

Ultraschallkontrastmittel auf Basis von Mikrobläschen sind eine noch relativ neue Entwicklung. Sie werden in sehr kleinen Mengen von meist unter 5 ml gegeben und gelten als gut verträglich. Die Bläschen verbleiben mehrere Minuten lang im Gefäßsystem, ohne ins Interstitium zu wandern. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Gefäßlumen damit hoch selektiv und in Echtzeit darstellen. Für die Verwendung in der Onkologie bedeutet das vor allem, dass Ärzte die Gefäßversorgung eines Tumors im Ultraschall sehr viel detaillierter darstellen können als bisher.

3 Minuten nach Kontrastmittel-Injektion zeigt die Läsion ihre nekrotischen Bereiche (dunkel). Fotos (2): Prof. Wolfram Wermke

Anders als im herkömmlichen B-Bild des Ultraschalls, das die Echomorphologie eines Tumors zeigt und anders als im Dopplersono, der Aussagen vor allem über große Gefäße erlaubt, liefert der kontrastmittelverstärkte Ultraschall Informationen über die mikrovaskuläre Versorgung einer Läsion.

Den Patienten bleiben durch die neue Technik unter Umständen aufwendigere diagnostische Verfahren erspart: "Im Moment würden wir bei Patienten mit unklarem Ultraschallbefund ein CT, ein MRT oder eine invasive Biopsie empfehlen", berichten die Autoren um Dr. Deike Strobel von der Universität Erlangen (European Journal of Ultrasound 225, 2008, 499). Wird die definitive Diagnose per kontrastmittelverstärktem Ultraschall gestellt, kann auf diese Zwischenschritte vor der Operation in vielen Fällen verzichtet werden.

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