Ärzte Zeitung online, 31.12.2013

Leberkrebs

Kaffee trinken senkt die Gefahr

Kaffee-Liebhaber sind offenbar weniger gefährdet für Leberkrebs. Wer täglich drei Tassen trinkt, halbiert das Risiko für den Tumor. Das zeigt eine Auswertung von 16 Studien.

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Eine Tasse Kaffee - für viele ein Genuss.

© Ole Spata / dpa

MAILAND. Schon lange gibt es Hinweise, dass ein hoher Kaffeekonsum mit einem niedrigen Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) einhergeht.

Im Jahr 2007 ergab eine Metaanalyse von zehn Studien mit insgesamt 2260 HCC-Patienten für Kaffeetrinker ein etwa 40% geringeres Erkrankungsrisiko als bei Menschen ohne Kaffeekonsum (Clin Gastroenterol Hepatol 2013; 11: 1413-1421).

Dabei zeigte sich ein Dosiseffekt: Bei geringem Kaffeekonsum ließ sich ein 30% niedrigeres Krebsrisiko berechnen, bei hohem Konsum war es um 55% reduziert.

Pro Tasse ist das HCC-Risiko um etwa 20% reduziert

In der Zwischenzeit sind einige weitere Studien zu diesem Thema publiziert worden. Sechs von ihnen haben jetzt Epidemiologen um Francesca Bravi von der Universität in Mailand in eine neue Metaanalyse mit einbezogen.

 Zusammen mit den älteren Studien konnten die italienischen Forscher für ihr Update also 16 Studien auswerten. In diese Untersuchungen waren Daten von insgesamt 3153 HCC-Patienten eingeflossen.

Insgesamt änderte sich beim Update nur wenig an der Risikoeinschätzung. Wiederum ließ sich für Kaffeetrinker ein um 40% reduziertes Risiko für ein HCC berechnen. Wurden nur die acht Kohortenstudien betrachtet, so lag die Risikoreduktion bei 36%, bei den acht Fall-Kontrollstudien lag sie bei 44%.

Für einen geringen Kaffeekonsum ist das Lebekrebsrisiko nach diesen Daten um 28% reduziert, für einen hohen Konsum um 56%. Als hoher Konsum wurden in der Regel drei oder mehr Tassen pro Tag betrachtet.

Reduktion um 68% ab acht Tassen

In einer Studie ergab sich sogar eine Risikoreduktion um 68% für acht oder mehr Tassen pro Tag. Im Mittel ist bei täglich drei Tassen das HCC-Risiko halbiert, pro Tasse konnten Bravi und Mitarbeiter eine Risikoreduktion von 20% berechnen, was natürlich nicht heißt, dass das HCC-Risiko mit fünf Tassen bei Null liegt, vielmehr nimmt der zusätzliche Nutzen mit jeder zusätzlichen Tasse ab.

Für die Risikoberechnung spielte es keine Rolle, ob die Teilnehmer der Studien viel oder wenig Alkohol tranken, ob sie bereits eine Lebererkrankung hatten oder mit Hepatitis-Viren infiziert waren - in allen Fällen ging der Kaffeekonsum mit einem ähnlich erniedrigten HCC-Risiko einher.

Die interessante Frage ist nun natürlich, ob Kaffee tatsächlich das HCC-Risiko senkt, oder ob Kaffeetrinker wegen anderer Ursachen seltener Leberkrebs bekommen. Möglicherweise sind Menschen, die auf Kaffee verzichten, gesundheitlich schon sehr angeschlagen und haben bereits alle möglichen Erkrankungen, darunter auch Leberbeschwerden.

Das lässt sich natürlich nicht ganz ausschließen, geben auch die Autoren der Studie zu bedenken. Allerdings war der Zusammenhang von Kaffeekonsum und geringer HCC-Inzidenz auch bei Individuen ohne bekannten Leberleiden zu beobachten.

Leberschützende Antioxidanzien?

Eine Erklärung für potenziell leberschützende Wirkungen von Kaffee könnten Phenolderivate wie Chlorogensäure, Kaffeesäure und Kumarinsäure ebenso liefern wie eine Reihe von Antioxidanzien.

So wurden für die Bestandteile Cafestol und Kahweol schützende Effekte im Tierversuch bei einer Aflatoxin-B-Vergiftung beobachtet. Auch auf Leberwerte und Leberenzyme scheinen Kaffeebestandteile günstige Wirkungen zu haben, schreiben Bravi und ihre Mitarbeiter.

Eine große Bedeutung zur HCC-Prävention sehen sie für Kaffee allerdings nicht. Durch die HBV-Impfung, die Vermeidung einer HBV-Übertragung und mehr Zurückhaltung beim Alkoholkonsum ließen sich 90% der HCC verhindern. (mut)

[31.12.2013, 14:14:06]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Silvester-Bleigießen oder -Kaffeesatzlesen?
Bei dieser rein EDV-gestützten, retrospektiven Pseudo-"Metaanalyse" von "Fall-Kontroll- und Kohortenstudien" habe ich schon beim Lesen des "Abstract" von "Clin Gastroenterol Hepatol 2013; 11: 1413-1421" im wahrsten Sinne des Wortes "den Kaffee auf"!

Bei der Methoden-Darstellung schreibt das Autoren-Team allen Ernstes, sie hätten einfach PubMed und MEDLINE von 1966 (sic!) bis 9/2012 nach der (vagen) Assoziation zwischen Kaffee-Konsum und Leberkrebs (1966 kannte man nämlich den Begriff "HCC" noch gar nicht) bzw. hepatozellulärem Karzinom (HCC) "durchgenudelt"? ["Methods - We performed a PubMed/MEDLINE search of the original articles published in English from 1966 through September 2012, on case-control or cohort studies that associated coffee consumption with liver cancer or HCC"]

Bei den Schlussfolgerungen schwingen sich die "Konkludenten" dann zu intellektuellen Höchstleistungen auf: "Conclusions - From this meta-analysis, the risk of HCC is reduced by 40% for any coffee consumption vs no consumption. The inverse association might partly or largely exist because patients with liver and digestive diseases reduce their coffee intake." Also, ob der imaginierte "Schutz" von Kaffee vor HCC zu geringen oder größeren Anteilen schlicht und ergreifend darauf zurückzuführen ist, das betroffene, nicht nur an HCC erkrankte Patienten v o n s i c h a u s ihren Kaffeekonsum reduzieren, bleibt selbst den "wissenschaftlichen" AutorInnen vollkommen schleierhaft.

Eine eher sozialpsychologisch motivierte Fragestellung ergibt sich noch bei diesem Elaborat italienischer Epidemiologen um Francesca Bravi et al. von der Universität Mailand: Wie um alles in der Welt könnten sie ihre Ergebnisse ausgerechnet auf Italien übertragen wollen? Wie soll man da Patienten finden, die noch nie in ihrem Leben auch nur einen einzigen "Espresso doppio, Latte macchiato, Cappuccino" getrunken haben?

Ich sage Ihnen was, ganze drei bedauernswerte HCC-Patienten o h n e positive Kaffeeanamnese würden für 59.859.996 Italiener/-innen (Stand 30. Juni 2013) erklären, weshalb der großzügige Kaffeekonsum der Anderen angeblich vor HCC schützen könnte. Und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: So schnell, wie diese "Metaanalyse" im Hades der medizinischen Halbwahrheiten und Irrtümern landet, haben Sie noch nicht mal Ihren ersten Neujahrs-Kaffee 2014 auf!

Guten Rutsch! Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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