Ärzte Zeitung, 21.02.2005

Krebstherapie bei Kindern wird optimiert

Durch genaue Verlaufskontrollen läßt sich die Chemotherapie-Dosis bei einzelnen Kindern möglicherweise senken

BERLIN (gvg). Ein Großteil der Kinder mit Krebs ist heute heilbar - möglicherweise mit einer geringeren Medikamentendosis als bisher üblich. In einer Studie wird jetzt mit Hilfe moderner Marker der Therapieverlauf bei Kindern mit Leukämie genau kontrolliert und die Therapeutika-Dosis falls möglich reduziert. Das könnte die Belastung der Kinder deutlich verringern.

Ein krebskrankes Kind wird im Kinder-Krebs-Zentrum des Hamburger Universitätsklinikums untersucht. Foto: dpa

"Wir können heute acht von zehn Kindern mit Krebs heilen", hat Professor Charlotte Niemeyer vom Zentrum für Kinderheilkunde an der Universität Freiburg berichtet. Das sei vor allem der intensiven Polychemotherapie zu verdanken, so die Krebsspezialistin auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Berlin.

Mittlerweile ist die Therapie von krebskranken Kindern so erfolgreich, daß erwogen wird, nicht mehr jedes Kind mit maximalen Dosierungen zu behandeln.

Ob sich die Dosis bei einzelnen Kindern reduzieren läßt, wird jetzt bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) in der Multicenterstudie "ALL-BFM 2000" untersucht. An der Studie beteiligen sich 75 Kinderkliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bisher orientiert sich die Therapie bei Kindern mit ALL vor allem an der genetischen Konstellation der Patienten und der Wirksamkeit einer Prednisolon-Behandlung. In der Studie kommen jetzt Verlaufskontrollen während der Therapie hinzu.

Gesucht werde bei diesen Kontrollen mit bestimmten hochsensiblen, molekulargenetischen Markern nach noch verbleibenden einzelnen Krebszellen, so Niemeyer. Die Nachweisgrenze liege aktuell bei etwa einer Krebszelle auf 100 000 normale Lymphozyten. Können Krebszellen zu zwei definierten Zeitpunkten im Therapieverlauf nicht mehr nachgewiesen werden, dann sind die Überlebenschancen des Kindes so hoch, daß die Dosis der Therapeutika reduziert wird, natürlich unter engmaschiger Kontrolle.

"Der Aufwand für eine solche Therapie-Optimierung ist enorm", so Niemeyer. "Ob das Konzept aufgeht, werden wir erst in zehn Jahren wissen". Billig ist die Sache auch nicht: Je nach Verlauf erhalten die Kinder bis zu neunmal einen jeweils 2500 Euro teuren Test auf noch verbliebene Krebszellen. Wenn es dadurch aber möglich werde, die Chemotherapiedosis individuell einzustellen, dann könne sich dies durchaus lohnen, sagte Niemeyer.

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