Forschung und Praxis, 01.08.2005

Bortezomib erhöht Remissionsrate bei Myelom

Krebsmittel erhält Galenus-von-Pergamon-Preis

Das Krebsmittel Velcade® mit dem Wirkstoff Bortezomib hat den diesjährigen - von der "Ärzte Zeitung" gestifteten - deutschen Galenus-von-Pergamon-Preis in der Kategorie A erhalten.

In Kategorie A wird alle zwei Jahre ein innovatives, zum Zeitpunkt der Einreichung bereits ein Jahr in Deutschland zugelassenes und in den Verkehr gebrachtes Arzneimittel ausgezeichnet. In der Kategorie B wurden dieses Jahr Arbeiten zu Transportproteinen von zwei Forschergruppen aus Köln sowie Stuttgart und Frankfurt gewürdigt.

Neuartig ist das Medikament mit dem Wirkstoff Bortezomib, das zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom zugelassen ist, weil es auf eine bisher einmalige Weise wirkt: Es hemmt einen Enzymkomplex, das Proteasom, das in Krebszellen eine viel größere Aktivität besitzt als in gesunden Zellen.

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines entarteten Lymphozyten, einer Myelomzelle. Foto: McKnight und Anatoli Melechko, Oak Ridge National Laboratory (ORNL)

Das Medikament des Unternehmens Janssen-Cilag dämpft nicht nur die Teilungsaktivität der Krebszellen, sondern fördert auch den programmierten Zelltod, die Apoptose. An den ersten Studien nahmen Patienten mit multiplem Myelom teil, - inzwischen belegen jedoch präklinische Untersuchungen, daß Bortezomib nicht nur gegen Lymphomzellen wirkt, sondern auch bei soliden Tumoren, etwa Prostata-, Bronchial- und Ovarial-Ca.

Die Wirksamkeit der Therapie mit Bortezomib bei multiplem Myelom wurde in mehreren Studien belegt; unter anderem in der APEX-Studie (Assessment of Proteasome Inhibition for Extending Remissions; NEJM 352, 2005, 2487 und 2546).

Diese Studie wurde vorzeitig beendet, da die Zwischenanalyse ergab, daß der primäre Endpunkt der Studie, die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung, im Bortezomib-Arm im Vergleich zum Studienarm mit Dexamethason signifikant verlängert wurde. Patienten der Dexamethason-Gruppe wurde daraufhin die Therapie mit Bortezomib angeboten.

An der Studie hatten 669 Patienten teilgenommen, die zuvor eine bis drei Therapien erhalten hatten, die entweder erfolglos geblieben waren oder nach denen es zu einem Rezidiv gekommen war. 38 Prozent der Patienten der Bortezomib-Gruppe hatten eine partielle oder eine komplette Remission, in der Vergleichsgruppe waren es 18 Prozent.

Und: Patienten der Bortezomib-Gruppe lebten mehr als 80 Tage länger. Schließlich waren nach einem Jahr Therapie mit dem Proteasom-Hemmer noch 80 Prozent der Patienten am Leben, aber nur 66 Prozent in der Vergleichsgruppe. Patienten, die nur eine und nicht mehrere andere Therapien zuvor erhalten hatten, profitierten von der Bortezomib-Behandlung am besten. (otc)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »