Ärzte Zeitung, 11.04.2007

Bendamustin wird als Option bei Lymphom geprüft

Behandlung bei niedrig-malignem Non-Hodgkin-Lymphom / Bereits 400 Patienten in Studie aufgenommen

BERLIN (grue). Der Wirkstoff Bendamustin (Ribomustin®) wird bei Lymphom nun als Erstlinien-Therapie geprüft. Die mit Alkylanzien verwandte Substanz wird bereits erfolgreich zur Therapie von Patienten mit therapierefraktären oder rezidivierten Lymphomen genutzt.

Das nur in Deutschland zugelassene und hier gut bekannte Bendamustin wird jetzt von Mundipharma vertrieben. Es will sich auch in weiteren Bendamustin-Studien engagieren und strebt die europäische Zulassung für das Medikament an. Bisher hat die in den 70er Jahren entwickelte Substanz ein Schattendasein geführt, weil sie nie in großen Studien geprüft worden ist - und das trotz guter Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das entfernt mit den Alkylanzien verwandte Bendamustin wird bei Non-Hodgkin-Lymphomen wie bei chronischer lymphatischer Leukämie und beim Multiplen Myelom therapeutisch genutzt.

Bendamustin hat ein eigenständiges Aktivitätsprofil, wie Privatdozent Matthias Rummel von der Uni Gießen-Marburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Berlin berichtet hat. Und es gibt kaum Kreuzresistenzen gegen wichtige Zytostatika wie Cyclophosphamid, Doxorubicin und Etoposid. Rummel stellte Phase-II-Studien zum NHL vor, in denen bei zuvor mehrfach behandelten Patienten mit verschiedenen Bendamustin-Kombinationen hohe Ansprechraten erzielt worden waren. "Am effektivsten ist aber wohl die moderne Kombination aus Bendamustin plus Rituximab, weil diese beiden synergistisch wirken", sagte Rummel. "Sogar die aggressiven Mantelzell-Lymphome sprechen darauf zu über 90 Prozent an."

Die Zweifachkombination wird von der "Studiengruppe indolente Lymphome" nun in kontrollierten Studien genauer untersucht, etwa im Vergleich zu einer Fludarabin/Rituximab-Kombination. "Von uns befragte Onkologen trauen Bendamustin auch genug Potenzial als First-Line-Medikament zu", so Rummel, "wir prüfen deshalb auch diese Option." In die Studie zur Erstlinien-Therapie konnten bereits 400 Patienten mit niedrig-malignen NHL aufgenommen werden. Sie erhalten den Antikörper Rituximab in Kombination mit Bendamustin oder mit der CHOP-Chemo (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison).

STICHWORT

Non-Hodgkin-Lymphome

Unter den Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) ist mit 75 Prozent der Anteil der B-Zell-Lymphome am höchsten. Die indolenten, niedrig-malignen Lymphome lassen sich durch eine Therapie gut zurückdrängen. Die Patienten sind aber nicht heilbar. Das aggressive NHL führt unbehandelt innerhalb eines Jahres zum Tod. In Deutschland erkranken etwa 12 von 100 000 Menschen pro Jahr neu an einem NHL. Die NHL-Häufigkeit steigt in Industrienationen aus bisher unbekannten Gründen. (eb)

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