Ärzte Zeitung, 13.12.2007

Gen-Hemmstoff für Leukämie-Patienten

Oblimersen erhöht Empfindlichkeit für Zytostatika

ATLANTA (nsi). Das neuartige Krebsmedikament Oblimersen wurde bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie geprüft: Bekamen sie nach einer üblichen Chemotherapie ein Rezidiv, lebten sie länger, wenn sie Oblimersen zusätzlich zu einer Kombination aus Fludarabin und Cyclophosphamid erhielten.

Oblimersen erhöht offenbar bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie die Sensitivität der malignen Zellen gegen Zytostatika. Die aktualisierten Daten einer Phase-III-Studie belegen den Nutzen von Oblimersen. Vorgestellt hat sie Professor Dr. Susan O'Brien bei der 49. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta. Oblimersen ist ein Bcl-2-Antisense-Molekül. Das heißt, es schaltet das Gen Bcl-2 aus, erläuterte die Wissenschaftlerin vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston. Damit bremst der neue Wirkstoff die Bildung des Bcl-Proteins, dessen übermäßige Synthese die Entstehung der CLL und deren Progression fördert.

In der Studie erhielten 241 Patienten randomisiert nach rezidivierter Erkrankung für maximal sechs Zyklen Fludarabin plus Cyclophosphamid (FC) oder zusätzlich Oblimersen (O). Das als Genasense vom Unternehmen Genta entwickelte Oblimersen wurde für sieben Tage intravenös verabreicht, beginnend jeweils vier Tage vor der FC-Therapie.

Primärer Endpunkt der Studie war eine komplette Remission (CR, vollständige Rückbildung aller Tumorparameter für mindestens vier Wochen) oder ein partielles Ansprechen (nPR, lediglich nodulärer Befall des Knochenmarks erlaubt). 17 Prozent der Patienten in der Verumgruppe erfüllten nach 34 Monaten Beobachtung die Kriterien des primären Endpunktes, sieben Prozent unter FC-Therapie allein. In Atlanta stellte O'Brien Daten zur Überlebenszeit jener Patienten vor, die innerhalb einer Gesamtbeobachtung von 54 Monaten in eine CR oder nPR kamen. Das waren 120 Probanden im Verum-Arm (FC plus Oblimersen, OFC) und 121 in der Kontrollgruppe (FC-Therapie).

Im OFC-Arm lebten noch 14 Prozent nach 24 Monaten und zehn Prozent nach 54 Monaten. In der FC-Gruppe lebten noch sieben Prozent nach zwei Jahren und zwei Prozent nach 54 Monaten. Bei den Patienten mit CR in der OFC-Gruppe ist die mittlere Überlebenszeit noch nicht erreicht, liegt aber vermutlich bei mehr als 49 Monaten. Die mittlere Überlebenszeit bei Patienten, die mit FC in komplette Remission kamen, beträgt 35 Monate.

Positive Daten aus Phase III vorgestellt.

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