Ärzte Zeitung, 22.11.2012

CLL

Prognose mit Krebszellen

Anhand der Minimalen Resterkrankung lässt sich bei chronischer lymphatischer Leukämie die Wahrscheinlichkeit für progressionsfreies Überleben und das Gesamtüberleben abschätzen. Je weniger Krebszellen nach der Therapie übrig bleiben, umso günstiger ist die Prognose.

Von Peter Leiner

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Mit Hilfe von Blutproben lässt sich die Minimale Resterkrankung bei CLL quantifizieren.

© Getty Images/iStockphoto

STUTTGART. Patienten mit indolenten, niedrigmalignen Lymphomen sind eine sehr heterogene Gruppe. Dazu gehören auch Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und mit follikulärem Lymphom, mit jeweils einem langsamen Beginn der Erkrankung und einem chronischen Verlauf.

Ziel im klinischen Alltag sollte eine risikoadaptierte Therapie mit möglichst wenigen Nebenwirkungen und eine lange therapiefreie Zeit sein - und im Vergleich zum derzeitigen Therapiestandard möglicherweise ein verlängertes Überleben.

Daran hat Dr. Christiane Pott vom Universitätsklinikum in Kiel während der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie erinnert.

Die moderne Therapie hat die Prognose der CLL-Patienten inzwischen ganz erheblich verbessert und zu einer deutlich verlängerten Gesamtüberlebenszeit geführt. Pott: "Was wollen wir denn dann verbessern? Ist nicht alles gut?"

Um bei Niedrigrisiko-Patienten eine Übertherapie zu verhindern, ist eine exakte Beurteilung des Therapieansprechens erforderlich.

Mit einer schlechten Prognose assoziiert sind etwa bei CLL bisherigen Studien zufolge unter anderem Deletionen auf den Chromosomen 11 und 17, erhöhte Serumspiegel des β2-Mikroglobulins und der Thymidinkinase sowie fortgeschrittene Erkrankungsstadien - allerdings gilt das nicht für alle Patienten gleichermaßen.

Aus mehreren Studien geht inzwischen hervor, dass die Quantifizierung der Minimalen Resterkrankung (MRD, minimal residual disease) durchaus ein Prognosefaktor für die Ansprechdauer und das Gesamtüberleben sein könnte.

Wichtig sei ein solcher Faktor, weil Patienten mit einer ungünstigen Prognose natürlich eine andere Therapie benötigen als jene mit einer günstigen Prognose, so Pott.

Hohes Progressionsrisiko bei hohem MRD-Status

"Unter MRD verstehen wir klinisch okkulte Krebszellen, die sich zum Zeitpunkt der klinischen Remission noch im Patienten befinden. Residuelle Zellen im Blut und im Knochenmark führen zu irgendeinem Zeitpunkt zum klinischen Rezidiv", erläuterte die Kieler Hämatologin bei der DGHO-Jahrestagung. Bei gut kontrollierten Patienten könne das auch zu einem sehr späten Zeitpunkt sein.

Ein Beispiel, wo die Minimale Resterkrankung klinisch genutzt werden kann, ist die CLL. Pott machte auf eine aktuelle Studie von Dr. Sebastian Böttcher, ebenfalls vom Uniklinikum Kiel, und seinen Kollegen aufmerksam, der zufolge MRD-Spiegel ein unabhängiger Prognosefaktor für das Gesamtüberleben und die progressionsfreie Zeit sind (J Clin Oncol 2012; 30: 980-988).

In der randomisierten Studie mit fast 1800 Blut- und Knochenmarkproben von knapp 500 CLL-Patienten erhielten die Studienteilnehmer Fludarabin plus Cyclophosphamid (FC) oder FC plus Rituximab (FCR).

Je nach MRD-Status wurden sie in drei Gruppen eingeteilt, und zwar mit niedriger (weniger als 10-4), mittlerer (zwischen 10-4 und 10-2) und hoher Zellzahl (über 10-2).

Die Ärzte konnten zeigen, dass sich mit identischen MRD-Konzentrationen gleiche Werte für das progressionsfreie und das Gesamtüberleben vorhersagen lassen, und zwar unabhängig von der Therapiegruppe und von anderen Risikofaktoren.

So lag die mediane progressionsfreie Überlebensdauer bei 69 (niedrige MRD), 41 (mittlere MRD) und 15,4 Monaten (hohe MRD). Anders ausgedrückt: Im Vergleich zum niedrigen MRD-Status hatten Patienten mit mittlerem oder hohem MRD-Status ein zweieinhalbfach beziehungsweise mehr als 14-fach erhöhtes Risiko für eine Krankheitsprogression.

Bestimmt wurde der Status zwei Monate nach der Behandlung in einem Speziallabor der Kieler CLL-Studiengruppe. Schließlich war die Gesamtüberlebensdauer um so kürzer, je höher der MRD-Wert war.

Bei hohen Werten lag sie im Median bei 48,4 Monaten, in den beiden anderen Gruppen wurde der entsprechende Wert noch nicht erreicht.

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