Ärzte Zeitung, 17.05.2013

Leukämie

Neue Hoffnung Genchirurgie

Patienten mit einer B-Zell-Leukämie bleiben oft nur wenige Monate. Ärzten aus New York ist es nun mit einer neuartigen Therapie gelungen, vier Patienten in die Remission zu bringen. Die Nebenwirkungen sind allerdings alles andere als harmlos.

Von Peter Leiner

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Leukozyten im Fokus der Gentherapie, die die Zellen in die Lage versetzt, Krebszellen zu attackieren.

© IMP, Wien

NEW YORK. Die Wirksamkeit einer neuartigen Immuntherapie bei Patienten mit rezidivierter akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (B-ALL) haben Onkologen um den Leukämiespezialisten Dr. Renier J. Brentjens und den Arzt und Gentherapiespezialisten Dr. Michel Sadelain erforscht (Science Translational Med 2013; 5: 177ra38).

Ziel der Behandlung in der Anfang 2010 begonnenen Studie ist der Rezeptor CD19, der unter anderem auf allen malignen B-Lymphozyten der ALL-Form sitzt, ebenso bei den Varianten CLL und Haarzellleukämie.

Die malignen Zellen sollen durch körpereigene, genetisch veränderte T-Lymphozyten eliminiert werden. Dazu haben die Forscher vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York zunächst autologe T-Lymphozyten von fünf Patienten gentechnisch mit einem neuen Gen ausgestattet.

Sie hatten nach einer Chemotherapie ein Rezidiv erlitten und waren daher für eine allogene Knochenmarktransplantation zunächst nicht geeignet.

Unterschiedliche Dauer bis zur Remission

In vitro schleusten die Forscher mit Hilfe von nicht mehr vermehrungsfähigen Viren den Bauplan eines chimären Rezeptors in die T-Lymphozyten ein. Der im Zellinneren synthetisierte künstliche Rezeptor wird in die Membran der Zelloberfläche eingebaut.

Er erkennt den Marker CD19 auf den malignen B-Zellen. Mit einem solchen Rezeptor ausgestattete T-Zellen sind in der Lage, an die CD19-positiven Tumorzellen zu docken und sie zu eliminieren, indem sie sie lysieren.

Jeder der fünf rezidivierten Patienten erhielt einen Tag nach einer Therapie mit hochdosiertem Cyclophosphamid zwischen 1,5 und drei Millionen seiner eigenen, genetisch veränderten T-Zellen pro Kilogramm Körpergewicht reinfundiert, und zwar verteilt auf die zwei folgenden Tage.

Es dauerte unterschiedlich lange, bis selbst mit einer sehr empfindlichen PCR-Methode keine Krebszellen mehr nachweisbar waren. Bei einem Patienten war das bereits nach acht Tagen der Fall, bei einem anderen nach knapp 60 Tagen.

Zytokinsturm als Nebenwirkung

Nur bei einem Patienten konnte anschließend die Stammzelltransplantation nicht vorgenommen werden. Der Mann hatte außer der Leukämie einen schlecht kontrollierten Diabetes, eine Niereninsuffizienz und eine KHK.

Patienten mit rezidivierter B-Zell-Leukämie haben in der Regel nur noch wenige Monate zu leben. Durch die Gentherapie in der noch laufenden Studie mit nachfolgender Stammzelltransplantation konnten bei den übrigen vier Patienten komplette Remissionen erzielt werden, die fünf bis 24 Monate anhielten.

Geplant ist, bis Januar 2014 insgesamt 24 Patienten in die Studie aufzunehmen. Die Therapie mit den genetisch veränderten eigenen T-Zellen hat allerdings Nebenwirkungen, vor allem hohes Fieber, Blutdruckabfall und Hyperzytokinämie.

Dieser Zytokinsturm wurde drei bis fünf Tage nach Infusion der autologen T-Zellen beobachtet und mit Steroiden bekämpft. Er war umso ausgeprägter, je größer die Zahl der noch vorhandenen Leukämiezellen zum Zeitpunkt der Infusion war.

Besonders stark war der Zytokinsturm bei den zwei Patienten, die die höchste T-Zellmenge infundiert bekamen.

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