Morbus Hodgkin

Neuer Ansatzpunkt für Therapie

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GÖTTINGEN. Bisherige Standardtherapien zur Behandlung bei Morbus Hodgkin bringen jüngeren Patienten gute Heilungschancen. Doch bei älteren Patienten wirken die Therapien oftmals nicht so gut.

Ein interdisziplinäres Forscherteam der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter Leitung der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie, hat in Kooperation mit Kollegen aus Brno (Tschechische Republik) einen molekularen Faktor gefunden, der das gerichtete Wanderungsverhalten von Hodgkin-Lymphomzellen reguliert und somit für die Ausbreitung der Tumorzellen wichtig zu sein scheint (Oncogene 2016, online 6. Juni, und Leukemia 2016, online 4. Oktober).

Danach reguliert das Molekül WNT5A ein Netzwerk von Faktoren, die die zielgerichtete Wanderung der Lymphomzellen in Richtung auf das Gefäßsystem koordinieren, teilt die UMG mit.

Diese neuen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Therapiekonzepte zu entwickeln, welche die Ausbreitung des Lymphoms behindern und zudem die Nebenwirkungen von aktuellen Therapien bei Lymphdrüsenkrebs verringern.

WNT-Signalweg auch bei Brustkrebs von Bedeutung

Der WNT-Signalweg ist als ein wichtiges Element der Metastasierung bei Brustkrebs identifiziert. Dass der WNT-Signalweg auch für das Migrationsverhalten von Hodgkinzellen und die Interaktion mit Gefäß-Endothelzellen wichtig ist, konnte durch den Einsatz spezifischer Hemmstoffe jetzt erstmals gezeigt werden, erklärt die UMG Göttingen in ihrer Mitteilung.

"Das war wirklich überraschend, denn bisher hatte man den WNT-Signalweg noch nie mit einer Funktion bei der Wanderung der Hodgkin Lmyphomzellen in Verbindung gebracht", wird die Erstautorin der Publikation zitiert, Dr. Franziska Linke aus der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der UMG.

Einfluss auf den Umbau des Zytoskeletts?

In weiteren Untersuchungen gingen die Göttinger Lymphom-Forscher der Frage nach, welche Rolle WNT5A spielt. WNT5A wird von den Lymphomzellen selbst produziert und in die unmittelbare Umgebung abgegeben.

Dabei bindet WNT5A an der Oberfläche der Zellen an spezifische Rezeptoren, um im Inneren der Zelle Signalwege zu aktivieren, die für Zellwanderung wichtig sind. Die Forscher vermuten deshalb, dass WNT5A den Umbau des Zytoskeletts in der Lym-phomzelle gezielt beeinflusst.

Ein komplexer Signalweg, der vom Oberflächenrezeptor FZD5 über die Signalmoleküle DVL3 und RHOA/ROCK zum Umbau des Zytoskeletts bei der Zellbewegung führt, konnte von den Forschern in Zusammenarbeit mit Dr. Vita Bryja an der Masaryk Universität Brno gezeigt werden.

"Mit WNT5A haben wir einen Faktor identifiziert, der von der Tumorzelle ausge-schieden wird und dabei nicht nur auf die Lymphomzellen selbst, sondern auch auf die Umgebung des Tumors wirken kann. Dies bietet einen neuen Ansatzpunkt, um die bestehenden Therapien weiterzuentwickeln und zu verbessern", so Professor Dieter Kube, Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der UMG, in der Mitteilung der UMG.

WNT-Signalweg nicht nur für Migration der Tumorzellen wichtig

Zur Überraschung der Forscher ist der WNT-Signalweg nicht nur für die Migration der Tumorzellen von Bedeutung, sondern auch für Interaktionen zwischen Lymphom und Gefäß-Endothelzellen. Diese Wechselwirkungen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation der Gefäßneubildung im Tumor.

Die Forscher konnten jetzt Transkriptionsfaktoren charakterisieren, die die Freisetzung eines Angiogenese-Regulators, VEGF-A, steuern. "Da die hohe Expression von VEGF-A in einer Gruppe von Hodgkin Patienten mit einem schlechteren klinischen Verlauf der Erkrankung verbunden ist, würden wir empfehlen, im Rahmen entsprechender klinischer Studien Medikamente gegen VEGF-A zu testen", zitiert die UMG Professor Jörg Wilting, Institut für Anatomie und Zellbiologie der UMG. (eb)

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