Forschung

Ein Antidepressivum als Mittel gegen Leukämie?

Tranylcypromin lässt Leukämiezellen wieder zu normalen Blutzellen werden.

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FRANKFURT / MAIN. Das Antidepressivum Tranylcypromin (TCP) könnte bei Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) mit Resistenzen zu einer neuen Therapieoption werden.

Forscher des Deutschen Krebskonsortiums an der Medizinischen Klinik II der Uniklinik Frankfurt und an der Uniklinik Freiburg haben aufgedeckt, wie TCP Leukämiezellen wieder zu normalen Blutzellen werden lässt (Leukemia 2019; online 24. Januar), meldet die Uniklinik Frankfurt. Die Erkenntnisse fließen jetzt auch in eine klinische Studie zur AML-Therapie ein.

Ein zentrales Ziel der Forschung zu AML sei ja, Leukämiezellen wieder ausreifen zu lassen und so die Erkrankung zu heilen, erinnert die Uniklinik in ihrer Mitteilung. Bei der Ausreifung von Blutzellen seien auch epigenetische Faktoren wie das Enzym Lysin-spezifische Demethylase 1 (LSD1) von Bedeutung.

LSD1 beeinflusst die Verpackung der DNA und verändert damit das Ablesen entscheidender Gene. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass LSD1-Hemmer die Ausreifung von Leukämiezellen herbeiführen können, insbesondere wenn die Therapie mit dem Vitamin-A-Abkömmling ATRA kombiniert wird. Warum diese Therapie nur bei bestimmten AML-Formen anschlägt, blieb aber lange unklar.

Das Team um Dr. Tobias Berg, Medizinische Klinik II – Hämatologie/Onkologie der Uniklinik Frankfurt habe beobachtet, dass die Blockade des Regulators LSD1 mit Medikamenten die Aktivität bestimmter genregulatorischer Faktoren steigert, die für die Ausreifung der Zellen wichtig sind: Leukämiezellen von Mäusen reiften wieder zu Zellen heran, welche normalen Blutzellen ähneln, heißt es in der Mitteilung.

Außerdem hätten die Forscher entdeckt, dass nur bestimmte LSD1-Hemmer diesen Effekt haben: Die beste Wirkung hatten chemische Abkömmlinge von TCP. TCP, zugelassen zur Therapie bei Depressionen, blockiert auch LSD1.

Ob das Medikament auch bei AML-Patienten wirksam und gut verträglich ist, wird im Rahmen der TRANSATRA-Studie untersucht. Der Ansatz der TRANSATRA-Studie besteht darin, den LSD1-Inhibitor TCP mit ATRA und einer niedrig-dosierten Chemotherapie zu kombinieren, wie die Uniklinik Frankfurt berichtet.

Inzwischen habe die Phase I beendet werden können. Nun würden weitere Teilnehmer gesucht, um die Wirksamkeit der Arznei beim Menschen zu prüfen. (mal)

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