Ärzte Zeitung, 25.11.2008

Erneuter Beweis: Eradikation von H. pylori schützt vor Magenkrebs

Antibiose bei Helicobacter-Infektion senkt Magenkarzinom-Risiko um 65 Prozent

HOKKAIDO (ikr). Die Eradikation von Helicobacter pylori kann bei mit diesem Keim infizierten Patienten Magenkrebs vorbeugen. Einen erneuten Beweis dafür haben japanische Forscher mit einer Studie geliefert, in der sie mehr als 500 Patienten mit einem Magenfrühkarzinom behandelt haben.

Infektionen mit dem Keim Helicobacter pylori erhöhen das Risiko für Magenkrebs.

Infektionen mit dem Keim Helicobacter pylori erhöhen das Risiko für Magenkrebs.

Foto: Abbott / Altana

Bei den Patienten - überwiegend Männer - war entweder die Erstdiagnose mit bevorstehender endoskopischer Resektion gestellt, oder sie befanden sich in der Verlaufskontrolle nach endoskopischer Resektion. 272 der insgesamt 544 H.-pylori-infizierten Patienten mit Magenfrühkarzinom erhielten eine Eradikationsbehandlung, und zwar eine Woche lang jeweils zweimal täglich 30 mg Lansoprazol, 750 mg Amoxicillin und 200 mg Clarithromycin (Lancet 372, 2008, 392). Die 272 Patienten aus der Kontrollgruppe bekamen die Standardtherapie, aber keine Antibiotika.

Die Patienten wurden 36 Monate lang nachbeobachtet. Primärer Endpunkt der Studie waren metachrone Magenkarzinome, also an einer anderen Stelle des Magens neu entstandene Malignome.

Die Bilanz nach drei Jahren: Bei neun Patienten der Eradikations-Gruppe und bei 24 Patienten aus der Kontrollgruppe hatte sich erneut ein Magenkarzinom entwickelt. In der Verumgruppe war das Risiko dafür um etwa 65 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe, berichten die Forscher um Dr. Masahiro Asaka von der Universität in Hokkaido. Das Risiko für ein erneutes Magenkarzinom sei in der Studie von etwa 4000 pro 100 000 H.-pylori-Infizierten pro Jahr auf 1400 pro 100 000 Infizierte reduziert worden, haben sie errechnet.

Die Eradikationsbehandlung wurde insgesamt gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Diarrhoen bei 19 Patienten und weiche Stühle bei 32 Patienten.

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