Ärzte Zeitung, 17.03.2005

Diskussionen um eine erweiterte Brustkrebs-Nachsorge

Frauenselbsthilfegruppen fordern Anwendung moderner bildgebender Verfahren und die Bestimmung von Tumormarkern

BERLIN (dru). Ist die Art und Weise der Tumornachsorge bei Brustkrebs noch zeitgemäß? Dieser Frage widmeten sich Experten auf der 1. Offenen Krebskonferenz in Berlin.

Die halbjährliche körperliche Untersuchung und jährliche Mammographien reichen der Selbsthilfegruppe "Mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V." nicht aus.

    Studienbasis für derzeitiges Nachsorge-Programm ist veraltet.
   

Ihre Vertreterin Ingeborg Bördlein-Wahl fordert außer der Wiedereinführung des Knochenszintigramms die Nutzung von modernen bildgebenden Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der engmaschigen Bestimmung von Tumormarkern, um Lokalrezidive und vor allem Fernmetastasen möglichst frühzeitig aufzudecken.

"Bisher sind noch keine Studien publiziert, die den Einsatz solch kostenintensiver Nachsorgeuntersuchungen rechtfertigen würden", widersprach Professor Matthias Beckmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Erlangen. Er lehnt eine Änderung des bisherigen Nachsorgeschemas bei Brustkrebs ab.

Es gibt jedoch ein Problem: Die Studien, auf denen das bisherige Nachsorge-Programm begründet ist, seien veraltet, kritisierte Professor Volker Heinemann, Oberarzt der Internistischen Klinik III Großhadern. Ebenso wie Privatdozent Dr. Wolfgang Janni, Oberarzt an der Frauenklinik der LMU München, will er durch eine aktuelle Studie klären lassen, ob Frauen nicht doch von einem aufwendigeren Nachsorgeschema mit modernen Untersuchungsmethoden profitieren (wir berichteten).

Schützenhilfe bekamen die beiden Onkologen dabei von Wilfried Jacobs, Vorsitzender der AOK Rheinland, der das neue Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen mit der Studie beauftragen möchte.

Dagegen wetterte Professor Kurt Possinger, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie der Charité in Berlin: Da der Anstieg der Tumormarker nicht mit der Tumorexistenz oder dem Tumorwachstum korreliere, sei die engmaschige Bestimmung solcher Parameter wertlos. Insofern ergebe sich aus dem Nachweis solcher Marker keine Behandlungskonsequenz.

Der Onkologe bezweifelt daher, daß eine frühere Diagnostik eine bessere Heilungschance für Patientinnen mit Brustkrebs bietet. Possinger plädiert deshalb wie Beckmann dafür, die begrenzten finanziellen Mittel in eine maximale Ersttherapie und Langzeitmedikation bei Brustkrebs zu stecken. Dies sei wichtiger als eine teure Nachsorge mit Tumormarkern und PET.

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