Ärzte Zeitung, 03.06.2005

Herceptin bessert Chancen bei frühem Brustkrebs

Neue Studiendaten belegen Nutzen einer adjuvanten Antikörper-Therapie / Rezidivrisiko sinkt um fast die Hälfte

FRANKFURT AM MAIN (run). Neue Studienergebnisse legen nahe, daß nicht nur Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs von einer Therapie mit dem rekombinanten Antikörper Trastuzumab profitieren. Nach den Daten, die kürzlich beim US-amerikanischen Krebskongreß (ASCO) vorgestellt worden sind, wird damit auch bei Patientinnen mit Brustkrebs in einem frühen Stadium das Rezidiv-Risiko um etwa die Hälfte reduziert.

"Für solche Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs muß nach diesen Daten die adjuvante Trastuzumab-Therapie eigentlich nun als Standard angesehen werden", folgerte Privatdozent Dr. Christian Jackisch von der Universitätsklinik Marburg auf einer Post-ASCO-Veranstaltung von Hoffmann-La Roche in Frankfurt am Main. Die Daten beruhen zum einen auf einer ersten Zwischenauswertung der europäisch-kanadischen HERA-Studie und der gemeinsamen Analyse zweier US-amerikanischer Studien.

An der HERA-Studie haben über 5000 Frauen teilgenommen

In der HERA-(Herceptin adjuvant) Studie wurde die Wirksamkeit einer ein- beziehungsweise zweijährigen Therapie mit Trastuzumab (Herceptin®) im Anschluß an eine adjuvante Chemotherapie versus alleiniger Nachbeobachtung untersucht. Teilgenommen haben über 5000 Frauen mit primärem, HER2-positivem, sowohl lymphknotennegativem als auch -positivem Brustkrebs, die zuvor eine Chemotherapie über mindestens vier Zyklen erhalten hatten.

Sie wurden gleichmäßig und randomisiert auf einen der drei Therapiearme verteilt. Die erste Zwischenanalyse nach einem Jahr ergab: 154 Frauen in der Beobachtungsgruppe hatten Fernmetastasen, aber nur 85 der Patientinnen unter Trastuzumab. Ein Lokalrezidiv war unter Antikörpertherapie bei 27 Frauen, aufgetreten, aber bei 50 der anderen Frauen.

Ähnliche Ergebnisse wurden auch in den US-amerikanischen Studien ermittelt. Darin ist der Einfluß einer adjuvanten Therapie mit Doxorubicin und Cyclophosphamid, gefolgt von Paclitaxel mit und ohne Zugabe von Trastuzumab über ein Jahr bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom im Frühstadium untersucht worden. Hier war mit der Kombination von Paclitaxel plus Antikörper das Rezidivrisiko um 52 Prozent geringer als mit dem Taxol allein.

Nach drei Jahren lebten mehr Frauen in der Herceptin-Gruppe

Nach drei Jahren lebten noch 87 Prozent der kombiniert behandelten Frauen versus 75 Prozent der Frauen, die nur Paclitaxel erhalten hatten.

Für die klinische Praxis bedeute das, so Jackisch, daß jede Brustkrebspatientin auf den HER2-Rezeptor getestet und bei einer Überexprimierung - im metastasierten Stadium als auch in der adjuvanten Situation bei früher Erkrankung - mit Trastuzumab behandelt werden sollte.

Das Unternehmen Hoffmann-La Roche erwartet die offizielle Indikationserweiterung zur adjuvanten Therapie für 2007. Bisher ist der Antikörper bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, die HER2 übermäßig exprimieren, als Erstbehandlung in Kombination mit Paclitaxel zugelassen, falls Anthrazykline ungeeignet sind, sowie zur Monotherapie in späteren Phasen der Therapie.

Seit vergangenem Jahr ist Trastuzumab auch in Kombination mit Docetaxel für HER2-positive Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zugelassen, die noch keine Chemotherapie erhalten haben.

STICHWORT

HER-2-Rezeptor

Der HER2-Rezeptor - auch als HER2/neu bekannt - gehört zu den epidermalen Wachstumsfaktoren. Das Protein ist auf der Zellmembran von Tumorzellen lokalisiert und vermittelt Wachstumssignale in den Zellkern. Beim Mamma-Ca ist HER2 bei 25 bis 30 Prozent der Patientinnen auf den Tumorzellen überexprimiert. Sie leiden an einem besonders aggressiven Brustkrebs, denn bei ihnen wächst der Tumor sehr schnell. Der Antikörper Trastuzumab blockiert den Her2-Rezeptor und bremst so das Tumorwachstum.

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