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Vorteile bei Brustkrebs: Erst Tamoxifen, dann Exemestan

FRANKFURT/MAIN (nsi). Für Frauen, bei denen in der Postmenopause ein Hormonrezeptor-positives Mammakarzinom diagnostiziert wurde, empfehlen Experten eine frühe adjuvante Sequenz-Therapie (FAST). Behandelt wird mit Tamoxifen für zwei bis drei Jahre, gefolgt von dem Aromatase-Hemmer Exemestan. Drei Viertel der Teilnehmer der St.-Gallen-Konferenz 2005, einem internationalen Experten-Panel, votierten für FAST, sagte Professor Olaf Ortmann von der Uni-Frauenklinik in Regensburg.

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Unter den Aromatase-Hemmern steht Exemestan wegen der guten Datenlage für die FAST bei Frauen mit mittlerem und hohem Rezidivrisiko an erster Stelle. Exemestan (Aromasin®) ist seit kurzem für die frühe, adjuvante Sequenz-Therapie von postmenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Mamma-Ca in Deutschland zugelassen worden (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

"Der neue Zulassungsstatus ermöglicht es nun niedergelassenen Ärzten, ihre Brustkrebs-Patientinnen medizinisch optimal ohne Angst vor Regressen zu versorgen", sagte Dr. Joachim Wagner, Gynäkologe aus Völklingen mit Schwerpunkt Onkologie bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Frankfurt am Main.

Wie aber vermittelt man Frauen, die eine Operation, Radio- und Chemotherapie hinter sich haben und von denen dadurch statistisch 60 Prozent geheilt sind, daß sie zusätzlich für fünf Jahre eine Hormontherapie benötigen? "Wir erläutern den Patientinnen auf Grundlage der aktuellen vorliegenden Daten, daß eine solche Sequenz-Therapie Schutzfunktion hat", sagte Wagner. Die endokrine Therapie reduziere das Risiko für ein Mammakarzinom auf der kontralateralen Seite und vermindere das Rezidiv- und Sterberisiko.

Bei geringem Rezidivrisiko geht es auch ohne Adjuvans

Den Empfehlungen der St.-Gallen-Konferenz zu Folge sollten Frauen mit geringem Rezidivrisiko (Estrogen- und Progesteronrezeptor-postiv, Her2 / neu-negativ und Nodal-negativ) je nach Kontraindikation und Vorlieben der Patientinnen entweder eine adjuvante Therapie mit Tamoxifen oder mit einem Anti-Aromatase-Wirkstoff oder keine adjuvante Therapie erhalten.

Frauen mit hormonabhängigem Mammakarzinom und mittlerem oder hohem Risiko sollte eine FAST angeboten werden, vorzugsweise mit Exemestan nach Tamoxifen, bei Lymphknotenbefall nach eventuell vorangegangener Chemotherapie.

Der Vorzug von Exemestan im Vergleich zu anderen Aromatase-Hemmern bei einer FAST basiere auf der günstigeren Datenlage, erläuterte Ortmann. So sei die IES-Studie (Intergroup Exemestane Study) mit 4724 Patientinnen, die entweder fünf Jahre Tamoxifen erhalten hatten oder nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen auf Exemestan umgestellt worden sind, randomisiert und doppelblind gewesen.

Etwa die Hälfte der Frauen war Nodal-positiv, 33 Prozent hatten eine Chemotherapie erhalten. "Diese Zusammensetzung des Studienkollektivs entspricht dem klinischen Alltag", sagte Ortmann. Ein weiterer Vorteil: In der IES-Studie seien beim Wechsel zu Exemestan im Beobachtungszeitraum nicht signifikant mehr Frakturen aufgetreten.

Sterberate nach Umstellung auf Aromatasehemmer reduziert

"Eine FAST mit Exemestan verbindet die Vorteile von zwei Medikamenten: dem effektiven und osteoprotektiven Anti-Östrogen Tamoxifen, das aber nach einiger Zeit häufig an Wirksamkeit einbüßt, und dem Aromatase-Hemmer Exemestan, der die Frauen nach vorangegangener Tamoxifen-Behandlung effektiver als eine weitere Behandlung mit dem Antiöstrogen vor Metastasen und tumorbedingtem Tod schützt", resümierte Ortmann. Nach einem Wechsel zu Exemestan gab es 95 tumorbedingte Todesfälle, unter einer Weiterbehandlung mit Tamoxifen waren es 124.

Die Lebensqualität verschlechtere sich durch eine adjuvante Hormontherapie im allgemeinen nicht, so Professor Nadia Harbeck von der TU München. In der IES-Studie seien 556 Frauen nach drei, sechs und zwölf Monaten mit standardisierten Erhebungsbögen zur Lebensqualität befragt und bis zu fünf Jahren nachbeobachtet worden.

Zwar müßten Frauen bei einer Hormontherapie mit gynäkologischen Symptomen wie klimakterischen Beschwerden rechnen. Sie träten unter Tamoxifen aber häufiger auf als unter Exemestan. Vaginaler Ausfluß, Gewichtszunahme und thromboembolische Ereignisse seien unter dem Aromatase-Hemmer seltener als unter Tamoxifen.

Bei Frauen mit aggressiv wachsenden Tumoren, die erfahrungemäß nicht so gut auf Tamoxifen ansprechen, könnte unter Umständen nach der Chemotherapie gleich mit einem Aromatase-Hemmer begonnen werden, sagte Harbeck.

Die Karzinome dieser relativ kleinen Subgruppe (etwa 20 Prozent) haben Östrogenrezeptoren, es fehlen Progesteronrezeptoren, und sie synthetisieren übermäßig Her2 / neu. Es gibt erste Hinweise, daß Aromatase-Hemmer bei Frauen dieser Hochrisikogruppe das Tumorwachstum unterdrücken.

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