Ärzte Zeitung, 13.04.2006

Aromatasehemmer mindert Rezidivrate bei Brustkrebs

Wirkung unabhängig vom Progesteron-Rezeptorstatus

BERLIN (gvg). Bei der adjuvanten Therapie von Frauen mit Brustkrebs in der Menopause erhöht der Aromatasehemmstoff Letrozol im Vergleich zu Tamoxifen die Chance auf ein Leben ohne Rezidiv oder Metastasen. Und: Selbst ein positiver Progesteron-Rezeptorstatus mindert den Therapie-Erfolg nicht.

Darauf wies Professor Michael Untch vom Brustzentrum des Helios-Klinikums Berlin-Buch auf einer Veranstaltung von Novartis in Berlin hin. Der Nachweis wurde in der Studie BIG 1-98 erbracht, an der über 8000 Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom teilnehmen. Sie erhalten entweder fünf Jahre lang den Aromatasehemmstoff Letrozol (Femara®) oder Tamoxifen.

Nach den ersten 26 Monaten Therapie war bei den Frauen im Letrozol-Arm das Rezidivrisiko um fast 20 Prozent niedriger. 84 Prozent der Frauen im Letrozol-Arm und 81,4 Prozent im Tamoxifen-Arm lebten krankheitsfrei.

Der Anteil von Patientinnen mit Fernmetastasen lag um relativ 27 Prozent niedriger. Der Vorteil beim Gesamtüberleben betrug 14 Prozent, allerdings noch nicht signifikant.

Besonders Patientinnen mit einem erhöhten Rezidivrisiko profitierten von Letrozol. So lag das Rückfallrisiko bei Frauen mit initialem Lymphknotenbefall und bei jenen, die bereits eine Chemotherapie erhalten hatten, jeweils rund 30 Prozent niedriger als mit Tamoxifen.

Auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium, über das Untch in Berlin berichtete, wurde jetzt eine neue Auswertung von Tumorbiopsien von über 4000 Patientinnen der BIG-Studie vorgestellt. Die Analyse zeigt, daß zwar ein positiver Östrogenrezeptor-Status entscheidend ist für den Erfolg der Therapie mit Letrozol ist, nicht aber der Progesteron-Rezeptorstatus.

Sowohl bei Tumoren mit Progesteronrezeptoren als auch bei solchen ohne ist die Behandlung wirksam. Dies sei deswegen von Bedeutung, weil die Mehrheit der malignen Brusttumoren Progesteronrezeptor-positiv sei, so Untch.

Unter anderem wegen der BIG-Studie vertritt Untch die Auffassung, daß der Einsatz von Aromatasehemmstoffen heute die bevorzugte Strategie in der adjuvanten Behandlung von Frauen mit Brustkrebs sein sollte. "Aromatasehemmer sind effektiver und werden besser toleriert als Tamoxifen", so Untch.

Letrozol wurde in den USA für die adjuvante Therapie bei Brustkrebs im Anschluß an eine Operation im Dezember 2005 zugelassen. Die Zulassung für Deutschland werde in diesem Jahr erwartet, so das Unternehmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »