Ärzte Zeitung, 24.05.2006

Leitlinie bei Mamma-Karzinom aktualisiert

Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie / Trastuzumab bei Her2/neu-Überexpression aufgenommen

NEU-ISENBURG (nsi). Die adjuvante Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab ist jetzt in die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) aufgenommen worden. Der Antikörper wird bei Her2/neu-positivem Mamma-Ca eingesetzt.

Erwartet, daß die adjuvante Therapie mit Trastuzumab in den nächsten drei Monaten in Europa zugelassen wird: Professor Christoph Thomssen. Foto: nsi

"Diese Therapie-Empfehlung ist eine wesentliche Aktualisierung unserer Leitlinien", sagte Professor Gunter von Minckwitz von der GBG Forschungs-GmbH in Neu-Isenburg. Den neuen, noch unveröffentlichten Leitlinien zufolge wird jetzt eine einjährige adjuvante Behandlung mit Trastuzumab (Herceptin®) allen Frauen mit Überexpression (drei- bis fünffach) von Her2/neu im Tumorgewebe empfohlen.

Ausgenommen sind Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, die ein niedriges Risiko für Lokalrezidive oder Fernmetastasen haben. Darauf wurde bei einer Tagung der Organkommission "Mamma" der AGO in Neu-Isenburg hingewiesen.

Eine weitere Empfehlung: Die Behandlung mit Trastuzumab sollte in einem Zeitraum bis zu drei Monaten nach der Radio- oder der Chemotherapie beginnen - je nachdem, welche dieser beiden Behandlungsformen am Ende steht.

Werden bei der Chemotherapie Anthrazykline (mit oder ohne Taxane) verwendet, sollte die Immuntherapie erst nach Abschluß dieser Behandlung erfolgen.

Anderenfalls kann mit dem Antikörper auch simultan zu einer Therapie mit Taxanen, einer Hormontherapie oder einer Strahlentherapie behandelt werden. Bei Kontraindikationen zu einer Anthrazyklin-basierten Chemotherapie kann Trastuzumab auch mit dem Taxan Docetaxel plus Carboplatin kombiniert werden.

    Alle drei Monate Kontrolle der linksventrikulären Auswurffraktion.
   

Zwei mögliche Therapieschemata werden in den Leitlinien genannt: entweder 2 mg/kg Körpergewicht Trastuzumab ein Mal pro Woche nach einer einmaligen, doppelt so hohen Initialdosis oder 6 mg/kg Körpergewicht alle drei Wochen nach einer einmaligen "loading dose" von 8 mg/kg Körpergewicht. Empfohlen wird bei beiden Behandlungsschemata, den Antikörper für ein Jahr zu geben.

Da die Entstehung von Ödemen und Hepatomegalie unter Trastuzumab möglich ist, sollten während und nach der Behandlung mit dem Antikörper regelmäßig Pulsrate und Körpergewicht gemessen werden, außerdem alle drei Monate die linksventrikuläre Auswurffraktion. Eine Therapie mit dem Antikörper parallel zu einer neoadjuvanten, also präoperativen Chemotherapie empfiehlt die AGO nur im Rahmen von Studien.

Mit einer Zulassung von Trastuzumab für die adjuvante Therapie von Frauen mit Her2/neu-positiven Mammakarzinomen durch die europäische Zulassungsbehörde werde innerhalb der nächsten drei Monate gerechnet, sagte Professor Christoph Thomssen von der Universitätsklinik Halle zur "Ärzte Zeitung".

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