Ärzte Zeitung, 22.06.2006

Zytostatikum in Tablettenform bewährt sich seit fünf Jahren

Jubiläum für Capecitabin / Medikament verursacht keinen Haarausfall / Erstlinien-Monotherapie mit dem Mittel bei Brustkrebs angestrebt

ELTVILLE-EBERBACH (kat). Seit fünf Jahren ist das Zytostatikum Capecitabin zur Therapie bei Brust- und Darmkrebs nun im Handel. Das Mittel bewährt sich zunehmend auch als Monotherapeutikum.

Die orale Capecitabin-Therapie sei bei den beiden häufigsten Tumorarten genauso effektiv wie eine intravenöse Behandlung, so Dr. Friedrich Overkamp aus Recklinghausen bei einer Veranstaltung zum fünfjährigen Jubiläum der Markteinführung.

Vor allem für ältere Patientinnen mit Brustkrebs könne Capecitabin (Xeloda®) künftig eine wichtige Option als Erstlinien-Monotherapie sein, da es bequem anzuwenden und sehr wirksam sei. Zudem komme es nur zu einer minimalen Myelosuppression und nicht zu Haarausfall.

Zugelassen ist das Medikament derzeit zur Erstlinien-Monotherapie bei metastasiertem Kolorektal-Ca und zur Therapie bei metastasiertem Mamma-Ca in Kombination mit Taxotere, oder zur Zweittherapie nach Anthracyclin- und Taxantherapie.

Bei allen Vorteilen dieser Strategie seien vor einer oralen Krebstherapie einige psychologische Hürden zu überwinden, so Overkamp bei der Tagung von Hoffmann-La Roche in Eltville-Eberbach. In den Köpfen vieler Patienten sei etwa die Vorstellung verankert, daß Tabletten für leichte Krankheiten gut seien, bei schweren aber ein Aufenthalt im Krankenhaus und Infusionen unerläßlich seien.

Das könne zur Folge haben, daß Patienten sich aufgegeben fühlen, wenn sie "nur" Tabletten verordnet bekommen. Vor allem bei jenen Kollegen, die sich nicht jeden Tag mit dieser Therapie beschäftigen, sei das Verhalten ausgeprägt, Patienten mit Metastasen Infusionen zu verschreiben. Hier sei auf beiden Seiten ein Umdenken erforderlich.

Overkamp wies auch auf die Anforderungen an die Compliance hin. Eine exakte Einhaltung des Therapieplanes sei unbedingt erforderlich. Das gelte für Monotherapie und Begleitmedikation. Unerwünschte Wirkungen sollten umgehend gemeldet werden.

Für die onkologische Praxis bedeute das eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. In der Verantwortung der Kollegen liegen auch das ausführliche Aufklärungsgespräch und die sorgfältige Überwachung, die trotz der geringeren Zahl von Konsultationen erforderlich sind.

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