Ärzte Zeitung, 31.05.2007

Neue Therapie-Option für Frauen mit Mammakarzinom

Der monoklonale Antikörper Bevacizumab verzögert das Fortschreiten von metastasiertem Brustkrebs / Studie mit mehr als 700 Patientinnen

FRANKFURT/MAIN (hbr). Für die Behandlung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs steht jetzt mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab erstmals ein Angiogenese-Hemmer zur Verfügung. Mit dieser Therapie ist die progressionsfreie Überlebenszeit doppelt so lang wie ohne den Antikörper.

Indiziert ist Bevacizumab (Avastin®) bei Patientinnen mit lokal rezidivierendem oder metastasiertem Mammakarzinom in Kombination mit dem Taxan Paclitaxel als Erstlinien-Therapie. Die Zulassungserweiterung wurde bei einer Veranstaltung von Roche Pharma in Frankfurt am Main bekannt gegeben.

Der monoklonale Antikörper blockiert den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Dadurch bremst die Substanz die Vaskularisierung von Tumoren und somit letztlich ihre Nährstoff-Versorgung. Das hat Professor Michael Untch vom Klinikum Berlin-Buch berichtet. VEGF wird bei Patientinnen mit Brustkrebs überexprimiert. Hohe VEGF-Konzentrationen sind jedoch mit einer schlechten Prognose der betroffenen Frauen verbunden.

Die erweitere Zulassung von Bevacizumab basiert auf den Ergebnissen einer Phase-III-Studie. An der zweieinhalb Jahre dauernden Untersuchung nahmen 722 Frauen mit lokal rezidiviertem oder metastasiertem Brustkrebs teil. Sie hatten zuvor noch keine Chemotherapie erhalten. Alle Frauen bekamen in vierwöchigem Rhythmus am 1., 8. und 15. Tag Paclitaxel in einer Dosierung von 90 mg/m². Jede zweite Patientin bekam außerdem alle zwei Wochen 10 mg/kg Bevacizumab intravenös.

Die Ergebnisse: Mit Bevacizumab lebten die Frauen 13,3 Monate progressionsfrei, ohne diese Antikörper-Therapie hingegen nur 6,7 Monate. Dieser Unterschied war hochsignifikant. Auf Bevacizumab sprachen 36 Prozent der Frauen an, auf die Paclitaxel-Monotherapie nur 16 Prozent. Das heißt: Die Tumoren verkleinerten sich deutlich oder verschwanden sogar komplett.

Als wesentliche unerwünschte Wirkungen wurden bei 15 Prozent der Patientinnen eine Hypertonie und bei fünf Prozent thromboembolische Ereignisse dokumentiert. 23 Prozent der Patientinnen hatten Neuropathien. Diese wurden als Taxan-Effekt gewertet.

STICHWORT

Brustkrebs

Jedes Jahr wird bei etwa 50 000 Frauen in Deutschland die Diagnose Brustkrebs gestellt. 38 Prozent von ihnen sterben an dieser Krebserkrankung. Bei etwa jeder zehnten Patientin mit Mamma-Ca ist der Tumor zwar noch nicht systemisch metastasiert, aber lokal bereits weit fortgeschritten - mit einem Befall von mindestens neun axillären Lymphknoten. Etwa 20 000 der an Brustkrebs erkrankten Frauen entwickeln Metastasen. (eb)

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