Ärzte Zeitung, 16.02.2009

Beidseitige Mastektomie - weniger Krebs

Bei lobulärer Histologie des Ersttumors ist Risiko für Krebs in der kontralateralen Brust mehr als verdreifacht

HOUSTON (ikr). Manche Frauen, denen wegen eines Karzinoms eine Brust entfernt wurde, erwägen aus Angst vor weiteren Tumoren auch die Amputation der anderen Brust. Bei welchen Frauen sich eine solche aggressive Schutzmaßnahme am ehesten lohnt, haben jetzt US-Forscher herausgefunden.

Die Entfernung der Brust reduziert das Rezidivrisiko.

Foto: fux©www.fotolia.de

Brustkrebs-Patientinnen mit einem sehr hohen Risiko für ein Mammakarzinom in der kontralateralen Brust sind nach den Ergebnissen der aktuellen Studie:

  • Frauen mit einem 5-Jahres-Gail- Risiko von mindestens 1,67 Prozent,
  • Frauen mit einem multizentrischen Tumor in der befallenen Brust sowie
  • Frauen, die einen Tumor mit invasiver, lobulärer Histologie in der bereits betroffenen Brust haben.

Die Arbeitsgruppe um Professor Kelly K. Hunt aus Houston in Texas /  USA hat jetzt die Krankendaten von 542 Frauen mit einseitigem Brustkrebs analysiert, die sich einer kontralateralen Mastektomie unterzogen (Cancer online, 26. Januar 2009).

Die Amputation der kontralateralen Brust hatte nach Angaben der US-Forscher einen großen Schutzeffekt. Bei 25 Frauen (4,6 Prozent) wurde ein okkultes Karzinom in der gegenüberliegenden Brust diagnostiziert. Dabei hatten sich die drei zuvor genannten Parameter als starke, unabhängige Risikofaktoren herauskristallisiert. Genauer gesagt: 13 der betroffenen Frauen hatten ein Gail-Risiko von mindestens 1,67 Prozent. Das Risiko für einen kontralateralen Tumor war bei ihnen um den Faktor 3,5 erhöht.

Bei acht Frauen in der US-amerikanischen Studie hatte der Tumor in der bereits betroffenen Brust eine lobuläre Histologie. Das Risiko für die Entstehung eines Karzinoms in der gegenüberliegenden Brust war bei ihnen um das 3,4-Fache erhöht. Fünf Frauen hatten einen multizentrischen Ersttumor. Das Risiko für ein Malignom in der gegenüberliegenden Brust war bei ihnen um den Faktor 3,1 erhöht.

So berechnet sich das Gail-Risiko

Aus den Ergebnissen mehrerer Studien zum Brustkrebsrisiko in den nächsten fünf Jahren haben US-Forscher um Dr. Mitchell H.Gail einen Schwellenwert errechnet, ab dem das 5-Jahres- Risiko für ein invasives Mammakarzinom sehr hoch ist. Dieser beträgt 1,67 Prozent.

Für die Berechnung werden Parameter herangezogen wie Lebensalter und Zeitpunkt der Menarche  / Menopause. Das National Cancer Institute erklärt den Test auf: http://www.cancer.gov/bcrisktool/

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