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Früh ein Kind bekommen und lange stillen - das schützt am besten vor Brustkrebs

Niedrige Geburtenraten oder Geburten erst im Alter über 30 Jahren treiben in Industrieländern die Brustkrebsrate hoch. Achten Frauen auf ihr Gewicht und trinken wenig Alkohol, können sie das Risiko immerhin etwas senken.

Von Katharina Arnheim Veröffentlicht:
Erwünschte Nebenwirkung: Bekommt das Kind lange genug die Brust, senkt dies das Mamma-Ca-Risiko der Mutter. © Peter Widmann / imago

Erwünschte Nebenwirkung: Bekommt das Kind lange genug die Brust, senkt dies das Mamma-Ca-Risiko der Mutter. © Peter Widmann / imago

© Peter Widmann / imago

Die Brustkrebsinzidenz in der westlichen Welt einerseits und in ländlichen Regionen Asiens und Afrikas andererseits differiert um den Faktor Sechs: Während hierzulande über sechs Prozent der Frauen an diesem Tumor erkranken, sind es in Entwicklungsländern nur ein Prozent. Ein Grund für die Differenz sind offenbar die späten oder ausbleibenden Geburten bei Frauen in Industrienationen. So wurden schon in früheren Jahrhunderten Schwangerschaften und Stillen als protektive Faktoren bei der Brustkrebsentstehung betrachtet, da man festgestellt hatte, dass Nonnen besonders häufig betroffen sind, hat Dr. Valerie Beral von der Universität Oxford auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium berichtet.

Epidemiologische Untersuchungen der Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer haben jetzt die Richtigkeit dieser alten Hypothese weiter untermauert. Wichtig ist laut Beral einmal das Alter der Frau bei der ersten Geburt: Besonders stark vor Brustkrebs schützen frühe Schwangerschaften um das 18. Lebensjahr. Mit jeder weiteren Geburt und mit zunehmenden Stillzeiten sinkt das Brustkrebsrisiko dann noch weiter, wobei der Schutz erst nach Ablauf von rund zehn Jahren eintritt, dann aber bestehen bleibt. Der protektive Effekt ist allerdings bei Aborten oder Frühgeburten nicht gegeben, betonte Beral. Es müsse sich daher um ein hormonelles Phänomen im Spätstadium der Schwangerschaft handeln.

Nach Berechnungen der Arbeitsgruppe von Beral könnte die Brustkrebsinzidenz in den Industrieländern mehr als halbiert werden, wenn die dort lebenden Frauen wieder mehr Kinder bekämen und diese länger stillen würden. Da eine solche Entwicklung allerdings nicht unbedingt realistisch ist, plädierte Beral für die Entwicklung von Substanzen, die die hormonellen Auswirkungen von Schwangerschaft und Stillen imitieren und so vor der Brustkrebsentwicklung schützen.

Bereits heute kann man drei andere modifizierbare Risikofaktoren für Brustkrebs in den Griff bekommen: 20 Prozent aller Mammakarzinome in den Industrieländern ließen sich nach Angaben von Beral verhindern, wenn Frauen seltener adipös wären, keinen Alkohol tränken und nach der Menopause keine Hormone einnähmen.

Den ungünstigen Einfluss von Alkohol und Übergewicht belegen auch zwei aktuelle Studien. Professor Marianne Ewertz von der Universitätsklinik in Odense untersuchte die Assoziation zwischen BMI und Brustkrebs-Fällen bei fast 19 000 Patientinnen anhand der Daten der Danish Breast Cancer Cooperative Group. Sie musste feststellen, dass Mammakarzinome bei Frauen mit einem BMI über 25 erst in späteren Stadien diagnostiziert werden als bei normalgewichtigen Frauen. Auch besaßen die übergewichtigen Patientinnen ein um rund 45 Prozent erhöhtes Risiko für eine Fernmetastasierung. Ihr Risiko, innerhalb von zehn Jahren an ihrem Tumor zu sterben, war um bis zu 38 Prozent erhöht. Zudem war eine adjuvante Behandlung bei Patientinnen mit einem BMI von 30 und höher nur noch eingeschränkt wirksam.

Dr. Marilyn Kwan von der Forschungsabteilung von Kaiser Permanente in Oakland wies darauf hin, dass bereits moderater Alkoholkonsum - sprich drei bis vier Drinks pro Woche - das Rezidivrisiko von Brustkrebspatientinnen um 30 Prozent erhöhen kann. Dies trifft vor allem für postmenopausale und übergewichtige Frauen zu, während der Effekt von Alkohol bei jungen und schlanken Patientinnen nicht signifikant war. Die ungünstige Assoziation zwischen Alkoholkonsum und Prognose von Brustkrebspatientinnen wurde in der prospektiven Kohortenstudie LACE* aufgedeckt, die knapp 2000 Patientinnen mit frühem invasivem Mammakarzinom einschloss.

Basierend auf diesen Ergebnissen riet Kwan: "Frauen sollten nach der Brustkrebsdiagnose ihren Alkoholkonsum einschränken und weniger als drei Drinks pro Woche zu sich nehmen, insbesondere, wenn sie schon in den Wechseljahren oder übergewichtig sind.

*LACE: Life After Cancer Epidemiology

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