Ärzte Zeitung, 13.12.2010

Krafttraining nach Brustkrebs schadet Frauen nicht - im Gegenteil!

PHILADELPHIA (ikr). Frauen mit Brustkrebs, die ein Jahr nach der Diagnose mit Krafttraining starten, haben einer aktuellen Studie zufolge kein erhöhtes Risiko für ein Armlymphödem. Im Gegenteil: Diese Komplikation trat bei trainierten Frauen sogar seltener auf als bei Frauen ohne Training.

Krafttraining ein Jahr nach Brustkrebs schadet Frauen nicht - im Gegenteil!

Krafttraining: Bei Brustkrebs-Patientinnen offenbar eher nützlich als schädlich.

© Walter Luger / fotolia.com

134 Frauen nahmen ein bis fünf Jahre nach der Brustkrebsdiagnose an einer Interventionsstudie teil (JAMA online). Ihnen waren zur Krebstherapie mindestens zwei Achsellymphknoten entfernt worden.

72 von ihnen nahmen in einem wohnortnahen Fitnesscenter ein Jahr lang an einem langsam gesteigerten Krafttraining teil. Trainiert wurde zweimal wöchentlich für 90 Minuten, und zwar in den ersten 13 Wochen unter Anleitung eines Trainers.

Dazu gehörten Übungen zur Steigerung von Oberkörper- und Beinmuskulatur, wie die US-Forscher berichten. Die 75 Frauen aus der Kontrollgruppe machten hingegen kein Krafttraining.

Die Bilanz nach einem Jahr: Von den Frauen mit Krafttraining bekamen acht (11 Prozent) ein Brustkrebs-assoziiertes Lymphödem, jedoch 13 (17 Prozent) derjenigen Frauen in der Kontrollgruppe.

Und bei den 45 Frauen, denen fünf Lymphknoten oder mehr entfernt wurden, trat in der Trainigsgruppe bei 3 (7 Prozent) Frauen ein Lymphödem auf sowie bei 11 (22 Prozent) der 49 Frauen aus der Kontrollgruppe.

Krafttraining scheint auch Brustkrebs-Patientinnen, die bereits ein Armlymphödem haben, nicht zu schaden, sondern eher zu nützen. Mit einem ausgewogenen Fitnessprogramm inklusive Krafttraining waren die Lymphödem-bedingten Beschwerden in einer Studie geringer als ohne Sport.

US-Forscher haben bei 141 Frauen mit einem Armlymphödem den Effekt von Sport untersucht (NEJM 2009; 361: 664). Die Brustkrebsdiagnose lag wie in der aktuellen Studie bereits mindestens ein Jahr zurück. Bei den Frauen waren im Mittel 15 Lymphknoten zur Ermittlung des Lymphknotenstatus entfernt worden.

71 Frauen absolvierten ein Jahr lang zweimal wöchentlich ein 90-minütiges Übungsprogramm in einem Fitnesscenter. Dazu gehörten Dehnübungen, ein Aufwärmtraining sowie Übungen zur Stärkung der Kraft in den Armen und Beinen. Das Training wurde innerhalb der ersten fünf Wochen langsam aufgebaut. Der Kontrollgruppe wurde hingegen von sportlichen Übungen abgeraten.

Immer noch bekommen etwa 17 Prozent der Frauen mit Mamma-Karzinom ein Armlymphödem, obwohl die operative und radiologische Brustkrebstherapie schonender geworden ist.

Einen deutlichen Schutz vor dem Armlymphödem bietet die Sentinel-Node-Biopsie, bei der statt der herkömmlichen Axilladissektion nur ein bis zwei Wächterlymphknoten entfernt werden. Bei diesem Vorgehen bekommen nur 5 bis 7 Prozent der Frauen ein Lymphödem im Vergleich zu 13 bis 47 Prozent mit der herkömmlichen Methode.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Mehr Mut zu Sport nach Krebs!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »