Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Krebsstammzellen: Die tödlichen Schläfer im Blut

Warum bilden sich bei Krebs in manchen Fällen trotz Chemotherapie neue Metastasen? Auf diese Frage haben Heidelberger Forscher jetzt eine Antwort gefunden. Des Rätsels Lösung: Krebsstammzellen, die im Tiefschlaf sind.

Forscher identifizieren Krebsstammzellen im Blut

Krebszelle: Forscher haben neue Stammzellen entdeckt.

© Schreiter / Springer

HEIDELBERG (bd). Erstmals ist es Heidelberger Wissenschaftlern gelungen, zirkulierende Tumorzellen im Blut zu identifizieren, die Stammzellcharakter haben und die Metastasen in den Knochen und in der Leber auslösen.

Wie Professor Andreas Trumpp, der Leiter der Abteilung "Stammzellen und Krebs" am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg bei einer DKFZ-Veranstaltung gesagt hat, wurden aus dem Blut von 280 Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach abgeschlossener Therapie zirkulierende Tumorzellen (CTC) isoliert und auf zellulärer und molekularer Ebene charakterisiert.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass nur einige wenige dieser Zellen tatsächlich in der Lage sind, Meta stasen zu induzieren. Sie vermuten, dass es genau jene mit Stammzellcharakter sind, die sich vom Primärtumor abgelöst haben und ins Blut gewandert sind.

MIC mit drei Markern auf die Spur kommen

Diese Metastasen induzierenden Krebsstammzellen - MIC - befinden sich in einer Stammzellnische gewissermaßen im Tiefschlaf, bleiben durch Chemo- und Radiotherapie unbehelligt und haben wie alle Stammzellen ein unbegrenztes Selbsterneuerungspoten zial.

Bislang war es nicht gelungen, die zirkulierenden Zellen mit Meta stasierungspotenzial eindeutig zu identifizieren. Doch die Heidelberger Forscher wurden jetzt fündig. Sie haben Zelltypen entdeckt, die als Einzelzelle neue Metastasen bilden.

Dass es sich um MIC handelt, konnten die Forscher auch beweisen: Sie haben die CTC isoliert und in immundefiziente Mäuse transplantiert. Tatsächlich wuchsen Metastasen in den Knochen und in der Leber heran.

Trumpp zufolge gelang es, drei neue Marker zu identifizieren, mit denen es möglich ist, den MIC auf die Spur zu kommen, ein neuer Ansatz für die Diagnostik und für eine gezielte Therapie.

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