Ärzte Zeitung, 15.08.2012

Brustkrebs

Bestrahlung bewahrt auch alte Frauen vor Brustamputation

Nicht nur jüngere, auch ältere Brustkrebs-Patientinnen profitieren von einer Strahlentherapie nach brusterhaltender Op. Das hat eine aktuelle Kohorten-Studie bei Frauen zwischen 70 und 79 Jahren ergeben.

Bestrahlung bewahrt auch alte Frauen vor Brustamputation

Bei früh erkanntem Brustkrebs wird meist brusterhaltend therapiert.

© Arteria Photography

HOUSTON (ikr). In vielen Studien ist bereits nachgewiesen worden, dass eine Strahlentherapie nach brusterhaltender Therapie die Prognose der Patientinnen verbessert und das Risiko für eine Mastektomie infolge eines Lokalrezidivs verringert.

Bei älteren Patientinnen ist dieses Vorgehen jedoch umstritten. Klinische Studien ergaben zwar auch bei Frauen über 70 Jahre eine Verringerung der Lokalrezidivrate, wenn sie nach brusterhaltender Therapie bestrahlt wurden, aber keine nennenswerte Reduktion der Mastektomie- oder Brustkrebssterberate.

Außerhalb von klinischen Studien ist die Situation offenbar anders, wie die Analyse von (SEER)-Medicare-Daten in den USA ergeben hat (Cancer 2012, online 13. August).

Die Arbeitsgruppe um Dr. Benjamin D. Smith von der University of Texas in Houston hat Krankendaten von 7403 Frauen im Alter von 70 bis 79 Jahren analysiert, die zwischen 1992 und 2002 eine brusterhaltende Operation erhalten hatten.

Alle Frauen hatten zum Zeitpunkt der Diagnose ein invasives, Östrogen-Rezeptor-positives, Lymphknoten-negatives Mammakarzinom im Frühstadium (Tumorgröße ≤ 2 cm). Primärer Endpunkt war die Mastektomierate nach brusterhaltender Therapie.

Mastektomierisiko um 67 Prozent reduziert

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,3 Jahren betrug das Risiko für eine Mastektomie innerhalb von zehn Jahren nach Diagnosestellung für Frauen, die nach der brusterhaltenden Therapie bestrahlt wurden, 3,2 Prozent im Vergleich zu 6,3 Prozent bei Frauen ohne Radiatio (p < 0,001).

Mit Bestrahlung war das relative Mastektomierisiko signifikant um 67 Prozent reduziert. Lediglich eine Subgruppe von Frauen (28 Prozent der gesamten Kohorte) profitierte nicht von der postoperativen Strahlentherapie: Frauen zwischen 75 und 79 Jahren ohne hoch-gradige Tumoren, bei denen die Lymphknoten nach der Pathologie beurteilt worden waren.

Die unterschiedlichen Ergebnisse bezüglich der postoperativen Strahlentherapie in klinischen Studien und außerhalb klinischer Studien erklären sich die Autoren zum Beispiel durch Unterschiede in der Qualität der Brustkrebstherapie und in der Patienten-Compliance.

So blieben bekanntlich viele Frauen bei der endokrinen Therapie nicht bei der Stange. Im Rahmen klinischer Studien seien Patienten möglicherweise motivierter, eine Therapie durchzuhalten als im klinischen Alltag.

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