Ärzte Zeitung online, 14.02.2014

Mammografie-Screening

Gefährliche Krebsvorstufen früh erkannt

Von Redaktion

Gefährliche Krebsvorstufen früh erkannt

Duktales Carcinom in situ (DCIS): Es handelt es sich um ein nicht-invasives Karzinom, das sich in einem Milchgang ausbreitet und noch nicht in das benachbarte Gewebe eingedrungen ist.

© Referenzzentrum Mammografie am Uniklinikum Münster

Durch das digitale Mammografie-Screening werden mehr potenziell gefährliche Brustkrebsvorstufen entdeckt als mit bisherigen Verfahren. Das belegt eine Studie in NRW.

MÜNSTER. Mit dem digitalen Mammografie-Screening werden im Vergleich zur Film-Folien-Mammografie deutlich häufiger duktale Carcinoma in situ (DCIS) früh erkannt. Entdeckt werden dabei vor allem mehr DCIS-Erkrankungen mit einem mittel- bis hochgradigen Kernmalignitätsgrad, wie eine aktuelle Studie des Referenzzentrums Mammografie am Universitätsklinikum Münster (UKM) und des Epidemiologischen Krebsregisters NRW ergeben hat.

Größte Analyse von DICS-Fällen weltweit

Wissenschaftler der beiden Institutionen haben den Charakter der dabei entdeckten DCIS-Tumorarten untersucht (Radiology 2013; online 6. Dezember). Dazu lagen aus der Startphase des systematischen Krebsfrüherkennungsprogramms von 2005 bis 2008 in NRW mehr als 1000 charakterisierte DCIS-Fälle vor. Das sei die weltweit größte Analyse solcher Befunde, so das Referenzzentrum in einer Mitteilung.

Beim DCIS handelt es sich um nicht-invasive Karzinome, die sich in den Milchgängen ausbreiten und noch nicht in das benachbarte Gewebe eingedrungen sind. Die Tumorvorstufen bestehen aus Krebszellen, die in der Regel nicht durch Abtasten der Brust gefunden, jedoch aufgrund assoziierter Mikroverkalkungen in der Mammografie diagnostiziert werden können.

Diese Krebsvorstufen werden anhand der feingeweblichen Untersuchung in drei Kategorien unterteilt: geringer, intermediärer oder hoher Kernmalignitätsgrad. Die Zeit für die Entwicklung zu einem invasiven Mammakarzinom beträgt für den geringen Kernmalignitätsgrad im Mittel 15 Jahre, für den hohen hingegen fünf Jahre.

Die Forscher wiesen nach, dass nur etwa 17 Prozent der im digitalen Screening diagnostizierten DCIS-Fälle dem geringen Kernmalignitätsgrad zuzuordnen sind. Bei einem Anstieg der DCIS-Detektionsrate in den Screening-Einheiten nimmt der biologisch langsam progrediente Subtyp kaum zu und macht maximal 4,7 Prozent aller im Screening diagnostizierten Krebserkrankungen aus. Im Gegensatz dazu werden häufiger schneller progrediente und damit biologisch relevantere DCIS-Subtypen diagnostiziert.

Fazit der Forscher

Die Befürchtung, dass durch die systematische digitale Früherkennung vermehrt DCIS-Fälle mit geringem Kernmalignitätsgrad entdeckt und therapiert werden könnten, die sonst unentdeckt geblieben wären und sich auch ohne Therapie nicht lebensverkürzend ausgewirkt hätten, bestätigt die Studie nicht.

Im Gegenteil: Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass ein sehr hoher Anteil dieser im Screening entdeckten DCIS-Fälle dem gefährlicheren Typus zuzurechnen ist. Diese würden sich ohne Therapie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in wenigen Jahren zu einem invasiven Brustkrebs entwickeln.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »